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Die heilige Quelle Wo noch die wilden Stürme wehn, stand Mugols Bild auf Berges Höhn, in einer Hand das Sonnenrad zur Fruchtbarkeit von Mensch und Saat. Gar wild der Heiden Volk es trieb, dass diese stets erhalten blieb. Die Mädchen war'n kaum fünfzehn Jahr, wenn sie sich mussten bieten dar, vom Weine trinken, bis sie spien, und sich das Kleid vom Leibe ziehn. Dann wurden sie zu Bett gebracht als Spielzeug für des Priesters Macht. Die Ehe nahm man nicht genau, verlangte nach des Nächsten Frau; erklärte die sich nicht bereit, war Notzucht Selbstverständlichkeit. Die Folge war der geist'ge Tod: Beklemmung, Angst und Seelennot. Gar mancher sich das Leben nahm, damit er dieser Qual entkam. Doch solch Erlösung war nur Schein: Der Teufel fing die Seele ein. Kurzum, der armen Heiden Schar in jammervollem Zustand war. All des gedachte nun ein Greis, der lebte still auf seine Weis' in einer Höhle ganz allein, um seine Sünden zu bereu'n. Vor Jahren hatte er betört des Mugol Bildnis selbst verehrt, doch als sein Weib geschändet ward, da trieb's ihn fast zu grauser Tat. Durch Gnade fand er Christi Licht, verübte seine Rache nicht, ging fort in wilde Einsamkeit und nahm sich für das Beten Zeit. Die Nächstenlieb bracht' ihn zurück; er wollte seines Volkes Blick zum ew'gen Gotte lenken hin, bekehren den verstockten Sinn. So zog er an den härnen Rock, ergriff den krummen Hirtenstock und schritt voran auf schmalem Pfad zum Götzenbild, bedräute hart den niedren Geist an jenem Ort: "Du Teufel, fahre aus, hinfort!" Der Heiden Zorn entbrannte sehr, sie holten Spieß und Knüppel her: "All Macht sei Mugol, ewig Ruhm! Verderb dem Renegatentum!" Vereint ging's auf den Klausner los, bereit zu Schlag und Todesstoß. "Bleibt stehn", rief der, "und schweiget still! Seht her, was ich euch zeigen will. Mein Stock berührt den harten Fels, und Wasser eines reinen Quells wird sprudelnd treten dort herfür, auf dass an Christus glaubet ihr. Er hielt dem Teufel stand am Kreuz, blieb gottestreu trotz allen Leids und hat erlöst die ganze Welt; so tut denn, was ihm wohlgefällt: Die Zehn Gebote übet ein, das Vaterunser obendrein. Ich lernt' es früh, doch hab's verschmäht, es gar ins Gegenteil verdreht, drum ich der Sünder erster bin, doch raffte Gott mich nicht dahin - er schenkte mir das ew'ge Licht, gab Hoffnung neu mir armem Wicht. Nun höret her: Kehrt um, kehrt um; vernehmt das Evangelium!" Er stieß den Stecken an den Stein, und sieh! es sprang ein Bächelein. Gleich drauf tat's einen Donnerschlag, die Dunkelheit verschlang den Tag; allein des Greises Angesicht verklärte sich in hellem Licht. Die Heiden fielen auf die Knie; ein tief Erschauern fuhr in sie: "Ach Herre, bring die Sonn' zurück, errette uns vorm Wehgeschick! Vergib uns unsre schwere Schuld und führe uns zu Gottes Huld!" Gar mancher ließ sich taufen schnell, um zu entrinnen Pein und Höll'; der Mugol aber ward gestürzt, der sie mit dunkler Macht bezirzt; in Stücke ging sein Götzenbild, das Weihrauch lange Jahr' umhüllt. Die Quelle fließt noch heute dort, und heilig ist der ganze Ort, doch Christi Lehr, einst rein entfacht, hat manche Wandlung durchgemacht; das Papsttum, die Inquisition entstellten sie zu Spott und Hohn, und Teufels List den Priester narrt, wenn er sich zwingt zum Zölibat. Doch eines Tages kommt die Zeit - und sie ist wahrlich nicht mehr weit - wenn Vater Gott in Lieb und Treu die lichte Wahrheit schenket neu den Kindern auf dem Erdplanet, damit auch keins verloren geht. [ Kommentar abgeben ] Seite 1 von 1 |