![]() |
|
|
Wenn Engel fallen... Engel töten nicht... Wenn Engel fallen. Der Tod kommt leise Die Polizeibeamten der Kripo München standen um eine Frauenleiche. Es schien als wäre diese ein Engel auf Erden, blutrote Lippen, bleiches Gesicht, hohe Wangenknochen und wunderschöne, blonde Haare. Ihr Körper war lediglich mit einem weißen Bettlaken bedeckt, das alles ließ sie jugendlich rein und jungfräulich erscheinen. Neben der Leiche lag eine Spielkarte, der schwarze Piekbube. Einer der Beamten trat von einem Fuß auf den anderen. Er hielt den Personalausweis und das Handy der Toten in der Hand. Marion hieß sie, so viel wussten sie schon, ansonsten tappten sie im Dunkeln. Denn der Ausweis war verdreckt und teilweise angebrannt. Das Handy der Toten klingelt plötzlich. Der Beamte sah auf die Nummer, ging jedoch nicht heran. Jana Meisner stand auf dem Display in schwarz. „Gebt mal ´nen Suchbescheid für eine Jana Meisner durch. Wir statten ihr dann einen Besuch ab. Vielleicht weiß sie mehr über die Tote.“ Gefangen Sie konnte nicht mehr sitzen bleiben, deswegen lief sie immer wieder quer durch das ganze Haus, bis es klingelte. Die Türe öffnen mochte sie nicht, denn normalerweise machte das immer Marion, aber die war seit fast drei Tagen nirgendwo mehr aufgetaucht. Also überredete sie sich und ging zur Tür, durch die man nicht sehr gut sehen konnte. Milchglas, Marion fand das schön so. Sie erschrak als sie die zwei Männer vor ihr stehen sah,die ihr eine Dienstmarke vor die Nase hielten. Der eine sagte: “Guten Morgen, Frau Meisner. Ich bin Kriminaloberkommissar Janzik, mein Kollege Herr Winkelhoog. Wir haben Ihnen etwas mitzuteilen. Dürfen wir reinkommen?” Was hätte sie denn sagen sollen? Nein, sie dürfen nicht. Natürlich sagte sie ja. “Kommen sie rein. Einfach weiter gerade aus, dann können sie sich auf das Sofa setzen. Kann ich ihnen einen Kaffee anbieten?” “Nein, danke.” Als der Mann sprach, der sich als Janzik vorgestellt hatte, fiel Jana auf, dass er eine ungewöhnlich kühle Stimme hatte, die schneidend schien. Sie selbst kochte sich einen Kaffee ,während die beiden Polizisten sich auf den ihnen zugewiesenen Platz setzten. Das kleine Zimmer betretend sah sie fragend auf die beiden Männer nieder. “Wir haben Ihnen etwas mitzuteilen, Frau Meisner. Marion Moller ist tot, sie wurde ermordet aufgefunden. “ Inzwischen hatte sie den Nachnamen der jungen Frau herausgefunden und auch, dass sie mit Jana zusammenwohnte. Dieser fiel klirrenden mit einem Schrei das Glas aus der Hand. Sie starrte auf die beiden Männer mit ihren dunkelblauen Augen, die sich mit Tränen füllten. Marion war tot? Wie konnte DAS nur passiert sein? Wer hatte sie ermordet? “Wie?” Ihre Kehle fühlte sich so trocken an, als sie dieses erste Wort herauswürgte, so als wäre es eine Wüste in ihr drin. Die sich nun ganz leer und lang über ihr innerstes erstreckte... “Das wissen wir noch nicht. Da Sie und Frau Moller zusammengewohnt haben, nehmen wir an, dass sie besser gekannt haben, ist das richtig?” Jana brauchte einen kurzen Moment um überhaupt zu begreifen, was die Männer von ihr wollten, was sie meinten, was sie sagten. Warum? Warum Marion? Wofür? Wer konnte dieses Geschöpf von Schönheit ermordet haben? “Ja, das ist richtig. Wir kannten uns seit der 1. Klasse. Wir waren immer befreundet, egal wobei und wofür, es war eher als wären wir Geschwister. Vor drei Wochen haben wir uns das letzte Mal für längere Zeit hier im Haus getroffen. Marion war verliebt in irgendeinen Mann, den sie nicht mal mehr so lange kannte. Ich hab sie noch nie so glücklich gesehen, es war so wunderschön. Ihr Lächeln, sie war ganz anders. Wo haben Sie sie gefunden?” Jana redet mehr wie eine dieser automatischen Puppen als ein Mensch, sie verstand noch nicht wieso sie diesen Moment der Trauer so erlebte. Ihr war nicht richtig bewusst, wieso sie nicht weinenden zusammenbrach. Vielleicht war es der Schock, vielleicht war es nicht mal bis zu ihr durchgedrungen. Und so merkte sie auch nicht, dass die beiden Polizisten sich einen Blick zuwarfen und sich bedeutenden, der jungen Frau ihre Zeit zulassen und nach der Beantwortung dieser Frage fortzugehen. “In einem Wald nähe München, dort wo die vielen Drogenabhängigen des Nachts herumhängen. Es kann im Grunde jeder gewesen sein, nicht einmal eingrenzen können wir. Wir haben nicht sehr viele Chancen den Fall aufzuklären, aber dennoch wir werden es versuchen. Es ist wahrscheinlich, dass er einer der vielen bleiben wird, die ungeklärt sein werden. Jedoch denke ich, dass es nun besser ist, wenn wir gehen und Sie alleine lassen, sollte ihnen noch etwas zu Ihrer Freundin einfallen, dann rufen Sie uns bitte unter dieses Nummer an. Wir finden alleine raus.” Mit diesen Worten legte er ihr eine dieser Visitenkarten auf den Tisch, die die Komissare in diesen Krimiserien im Fernsehen oft hatten. Die beiden Männer gingen... Sie starrte auf die Rücken der beiden, ihr war es als würde Marion gerade vor ihr her gehen und sie verlassen, alleine zurücklassen ohne Hilfe ohne zu wissen, was sie ihr antat. Woher sollte sie es auch wissen? Hatte sie ihr je gesagt, wie gern sie sie hatte? Wie wichtig sie ihr war? Welcher große Teil ihres Lebens nur sie alleine ausfüllte? Jana fühlte sich schuldig und mehr als das. Sie würde am liebsten für Marion gestorben sein, weil sie doch schuld war. Sie hätte doch auf sie aufpassen müssen.... Die Worte des Polizisten hallten in ihrem Kopf wieder. “Wir haben kaum eine Chance, den Mord aufzuklären, es ist wahrscheinlich, dass er einer der Tausenden wird, die ungeklärt bleiben.” Ihre Marion sollte also unter einem Aktendeckel verschlossen bleiben? Nicht einmal der Mörder sollte dafür seine Gerechte Strafe erhalten? Jana erhob sich, sie konnte nicht in dem Wohnzimmer sitzen bleiben, es ging nicht mehr, sie musste fort, raus aus diesem Zimmer. Von überall her schien Marion sie anzulächeln... Langsam zog sie sich hoch und lief die Treppe herauf. Ihr Zimmer war durch die untergehende Sonne in dunkles Rot getaucht, die junge Frau legte sich auf das blau bezogene Bett und starrte auf die weißlich schimmernde Decke. An ihr zog das Leben mit Marion vorbei. Wie sie in der ersten Klasse einem der Viertklässler hinterher geguckt hatten, weil sie ihn süß fanden. Er hatte Marion angelächelt, nicht Jana. In diesem Moment war sie ganz schrecklich eifersüchtig auf ihre beste Freundin gewesen, doch sie hatte es sich nicht anmerken lassen. Marion hatte immer eine besondere Wirkung auf Männer gehabt. Sie hatte Ausstrahlung ,war fröhlich und nicht die kleine Verschüchterte, wie Jana es oft war. Jana musste lächeln als sie daran dachte, wie Marion und sie in der 13. Klasse kurz vor dem Abitur sich in ein und denselben langhaarigen Buben verliebt hatten. Doch dieses Mal war es Jana gewesen, die gewonnen hatte. Marion war nicht neidisch gewesen, sie hatte sich so für Jana gefreut, dass es dieser schon fast unangenehm war. Jetzt sollte Marion für immer fort sein? Weil irgendein Drogenabhängiger, einer dieser Junkies, sie umgebracht hatte? Wofür? Und Warum um alles in der Welt? Was konnte sie diesem Menschen getan haben? Es hätte jedes weibliche Wesen sein können, warum Marion? Sie atmete tief durch stöhnend lag sie auf dem Bett. Ihr Herz blutete aus, so viele Jahre war sie mit ihr befreundet gewesen. Jedes Geheimnis hatten sie sich gegenseitig erzählt, alles was wichtig war geteilt. Ob es nun traurig oder fröhlich war, immer waren sie zusammen gewesen, doch als Marion gestorben war, da waren sie getrennte Wege gegangen für ein paar Tage. Einmal im Leben gingen sie getrennte Wege und dieses eine Mal, hatten sie sich kein letztes Mal sehen können. Es verletzte Jana, dass sie Marion gesagt hatte, dass sie sie nie wieder sehen wollte. Jetzt wusste sie nicht einmal mehr, was der Auslöser für diesen Streit gewesen war. Nicht einmal mehr ahnen konnte sie es. Es machte sie so abgrundtief traurig, nicht einmal mehr sagen zu können, es tut mir leid Marion, es war nicht so gemeint, ich habe dich doch so gern. Aber es war nicht gewollt. Von Gott nicht und vielleicht auch von Marion nicht. Diese Gedanken machten sie schlichtweg krank. Sie waren wie spitze Schwerter, die in ihr Herz eindrangen ohne um Erlaubnis zu fragen, einfach da waren ohne Berechtigung. Was aber wenn sie mit Berechtigung da waren? Wenn es nicht nur seelische Schmerzen sein sollten, sondern eine tiefere Begründung hatten? Jana wollte nicht mehr leben, in ihrem Herzen kämpfte so viel miteinander, sie hätte Tage und Woche auf ihrem Bett liegen bleiben können, aber es war nicht möglich überhaupt irgendwann eine ruhige Minute zu gewinnen, denn sie war Studentin der Psychologie und stand mit 22 nicht mal mehr im Mittleren Bereich des Studiums in drei Tagen würden sie eine Klausur schreiben. Dennoch sie hatte schon gelernt, das konnte sie also leicht vertagen ohne in größere Schwierigkeiten zu geraten. Irgendwie wollte sie raus, aber aufstehen und sich fertigmachen um dann rauszugehen von den Leuten angestarrt zu werden, darauf war sie wiederrum auch nicht scharf. Wo konnte Marion jetzt sein? Ob sie auf dem Tisch der Gerichtsmediziner lag? Jana wagte nicht sich so etwas vorzustellen, eigentlich wollte sie gar nicht darüber nachdenken, aber immer wieder zogen ihre Gedanken mit ihr in dieselbe Richtung. Es schien als wäre es wie ein verfluchter Raum, in dem man nur im Kreise gehen kann ohne, dass man es merkt..... Wenn man tot wäre, würde man keine Schmerzen mehr fühlen, aber Jana war es nicht, selbst wenn, wie sollte sie Marion dann finden, wie konnte sie wirklich davon ausgehen, dass sie wirklich dorthinkam wo Marion auch war? Beide waren sie überzeugte Christen gewesen, aber keine von beiden wusste, was Wahrheit war und was falsch war. Gerade Jetzt wo sie einen tiefen Glauben benötigte zweifelte sie an so vielen Dingen ohne auch darüber nachzudenken warum. Immer wieder diese Fragen. Warum Marion? Weshalb sie und nicht Jana? An der weißen Decke auf die sie starrte, spielten die Schatten mit dem Licht, was immer noch ein kleinwenig durch das Fenster sann. Sie musste raus, es half nichts. Ihr Kopf zersprang und das Herz schien zu zerbersten. Sie vermisste Marion so sehr... Sie stand vor dem Spiegel in dem kleinen Dunklen Badezimmer, was gar keine Fenster gehabt hatte, weil Marion es immer so schön gefunden hatte im Dunkeln zu duschen oder zu baden. Jetzt sah sie im Spiegel nur noch die Reflektion ihres größten Feindes, ihr eigenes Ich. Vielleicht war der einzige Fehler, den sie je gemacht hatte, dass sie gelebt hatte und nicht geschwiegen.... Wissen tat sie es nicht, sie wollte nichts wissen, wenn sie ehrlich war. Alles Wissen dieser Welt schien ihr so unnötig, so ungebräuchlich. Was waren die Menschen schon, dass sie sich einbildeten weise zu sein. Sie konnten den Tod nicht besiegen und machten ihrer kurzen Lebenszeit selbst ein Ende, was waren die Menschen, was waren sie denn wirklich? Jana stöhnte leise auf, wofür lebten sie, wenn doch jedes Leben so enden musste? Warum gab es sie dann überhaupt? Diese Wesen, die meinten sich über alles stellen zu können. Mit einem Schrei schlug sie mit der Hand zur Faust geballt gegen den Spiegel, der krachend zerbarst. Tränen rannen über ihre Wangen. Gellend fuhr ihr Schrei aus ihren Lippen.... Sie saß auf dem Boden und stützte sich mit den Händen auf die Scherben auf. Diese Scherben schienen als wären sie ihr Scherbenhaufen des Lebens. Jana war nicht mehr im Stande irgendetwas zu sehen. Rote dünnen Fäden liefen an ihren Händen entlang und sie weinte immer weiter ohne Pause.. Wofür lebten sie? Wieso riss man einen Menschen wie Marion aus dem Leben? Was taten diese Menschen? Sind sie sich im Klaren darüber, was sie da tun? Wollte sie es wissen? Würde sie es befriedigen? Wofür sollte sie denn jetzt noch kämpfen, gab es da irgendetwas ? Wer? Auf der Rückfahrt zurück München in die Kurfürstenstraße passierte nicht mehr wirklich etwas wichtiges, was man an dieser Stelle hätte festhalten müssen. Als Jana nach Hause kam, war ihr Anrufbeantworter voll mit nichts sagenden Nachrichten, sie hörte sie erst gar nicht ab. Keine Lust auf das dumme Gerede der Nachbarn, die mittlerweile auch schon vom Tode der einen von den zwei "Grufties " gehört hatten. Zu Lebzeiten von Marion sich nie gekümmert hatten und plötzlich meldeten sie sich alle wieder... Stattdessen setzte sie sich an den Pc, der immer noch angeschaltet war und suchte auf irgendeiner dieser Suchmaschinen nach Menschen, die Moller heißen. Es kam so ziemlich alles dabei Hopper, Rapper, Börsenmakler, die sich in Zeiten der internationalen Finanzkrise darüber aufregten, dass sie ihr Geld verloren. Aber niemand, der auch nur etwas mit Marion zutun haben könnte.... Auf der letzte Seite, die sie anklickte, aber wurde sie fündig: Ein gewisser Jens Moller, der eine Firma besessen hatte, die jetzt mehr als pleite war. Die Nummer, das verwunderte Jana stand dennoch auf der Seite. Sie holte einen dieser pinken Notizzettel heraus, die sie früher schon gehasst hatte, schrieb die Nummer heraus, heftete sie an das schwarze Brett, was bei ihnen in der Wohnung ironischerweise tatsächlicherweise schwarz war. Später würde sie ihn anrufen, erst musste sie sich überlegen, wie sie anfangen sollte. Doch Jana kam zu dem Schluss, dass ihr Nachdenken, sie nur noch nervöser machte. Also nahm sie den Hörer vom Telefon ab und wählte. Nach jeder Nummer, die sie wählte, kam dieser grelle Piepton. Dann dieses lange Tuten. Eine weibliche Stimme meldete sie sich, Jana verstand nur das letzte, von dem , was die Person am anderen Ende sagte. "Wie kann ich Ihnen helfen?" "Jana Meisner hier, ich suche einen Jens Moller, es ist sehr dringend. Familienangelegenheit." "Oh. Das tut mir Leid, der Herr hat die Firma schon vor drei Wochen verlassen, er ist in der Psychiatrischen Landesklinik. In München. " Jana erschrak heftig, als sie das hörte. "Das tut mir leid, ich wollte nicht stören.. Einen schönen Tag noch. " Sie legte auf, wie ein Roboter geschah das alles, kaum dass Jana nachdachte. Jede Bewegung sah aus, wie die einer Puppe, deren Fäden man durchgeschnitten hatte... Gleich morgen würde sie Marions Bruder dort im Landesklinikum besuchen, die Pfleger frage,ob er Ausgang hatte. Vielleicht konnte er ihr mehr über Marion und ihre Probleme erzählen, möglich war alles. Aber warum hatte Marion ihr nie von ihm erzählt? Und warum um alles in der Welt war er jetzt in dem Landesklinikum? Eine Woge der Müdigkeit überrollte Jana ganz langsam, müde war sie schon die ganze Zeit gewesen, aber jetzt fiel ihr erst auf, wie und müde sie wahrhaftig war. Es hatte angefangen zu regnen, das Geräusch des immerzu auf den bodenplatschenden Regens wie Mäusetritte machte Jana zusätzlich müde. Sie schaffte es nicht einmal mehr bis zum Bett, schon als sie am Sofa im Wohnzimmer stand, fiel sie erschöpft auf selbiges zu und Schloss im selben Moment die Augen. Als Jana den nächsten Morgen aufwachte, verspürte sie keinen Hunger, sie aß auch nichts, sondern machte sich gleich auf den Weg zum Landesklinikum. Diesmal fuhr sie mit dem Auto, dem kleinen, dunkelroten Toyota auf dem hinten ein Black Sabbath-Paranoid Sticker klebte. Paranoid,ja wahrscheinlich war Marion das gewesen, vielleicht sie auch,aber sie mochte diese Art. Sie mochte sich sogar ein Stück weit selbst.... Sie schaltete auf dem Weg ins Landesklinikum das Radio ein. Irgendein Gitarrist spielte einen Solo, der kreischend und eigentlich gar nicht schön klang, trotzdem fuhren die meisten darauf auf. Irgendein Pseudo-Individualist dazu und schon war die moderne Teenie-Chartband geboren. Ein Junge, der aussah wie ein Mädchen und Texte, die man sich eigentlich hätte sparen können.... Der Weg von der Innenstadt zum Landesklinikum war ohne Ampeln und Staus höchstens 5 Minuten, Jana hatte sogar Glück, sie stand nur bei einer Ampel... Das Landesklinikum war wie Kanninchenbau, sie mochte solche Bauten nicht. Ihre alte Schule hatte auch so ausgesehen, sie war nicht glücklich dort gewesen, nur alleine. Alleine und verzweifelt mit Marion. Sie hatten immer zusammengehalten, dennoch sie hatten sich manchmal alleine gefühlt, egal wie nahe sie sich waren. Die Kreuzwege des Lebens waren sie immer allein gegangen. Die Tür des Autos krachte und Jana trat heraus, sie fiel auf. Mal wieder. Lange, schwarze Haare, schlichte schwarze Hose und trotzdem fiel sie auf unter den Blicken der Menschen. Am Empfang fragte sie vorsichtig an, ob hier im Hause ein Jens Moller wäre. Ja, sicher, antwortete die Empfangsdame, wenn man sie so nennen konnte. Sie fügte auch hinzu, dass man ihn jetzt besuchen könnte, wenn er denn da ist, denn er hatte auch das Recht auf Ausgang, obwohl er in der "Geschlossenen " war. Sie gab Jana sogar eine genaue Beschreibung , wie sie zu dem Zimmer kommen konnte. Erster Stock, Zimmer 123. Bitte vorher beim Pfleger melden, sagte sie noch hinter Jana. Die war aber schon unterwegs zum Aufzug um in den ersten Stock zukommen. So stand sie auch bald vor dem Zimmer 123.Die Zahl war in rot geschrieben auf blauem Metall. Es mochte bizarr klingen, doch Jana mochte dieses Krankenhaus, man konnte sich fast wie ein Mensch fühlen, nicht wie die Krankheit, die hier behandelt wurde. Fast wäre sie schon so in das Zimmer hereingegangen, dann fiel ihr ein, dass sie sich erst beim Pfleger melden musste. Nachdem sie dies getan hatte, konnte sie in das Zimmer eintreten, zuerst sauste ihr das Herz ganz tief in den Abgrund, konnte das wirklich Marions Bruder sein? Sicher eine gewisse Ähnlichkeit war da, aber Marions Bruder? "Entschuldigen Sie? Sie kennen mich wahrscheinlich nicht. Es ist auch etwas taktlos, das muss ich gestehen, aber ich habe da einige Fragen an sie. Wenn ich für ein paar Momente Ihre Zeit stehlen könnte?" "Bitte schönes Kind, setze dich doch und erzähle mir, was dir auf dem Herzen liegt!" "Kennen Sie eine Marion Moller?" Janas große Augen blickten ihn aufgeweckt an, ein bisschen Trauer lag darin, das sah man immer. " Marion war mein Engel, meine kleine Schwester. Wer bist du?" "Ich bin Marions beste Freundin, das heißt, ich war es. Marion wurde ermordet, die Polizei denkt, dass es Selbstmord war." Tränen füllten die Augen des Mannes, der ihr gegenüber auf dem Bett saß. Jana fühlte sich plötzlich unheimlich schlecht, woher nahm sie dieses Recht hierhin zu marschieren und ihm zu erzählen, dass seine Schwester tot war? Ein Bis auf die Zunge ließ sie Blut schmecken, dann riss die Antwort des Mannes sie aus ihren Gedanken heraus. "Du bist also Jana, sie hat viel von dir erzählt. Für sie warst du ein Engel, sie hat dich sehr geliebt. Dich hätte sie niemals im Stich gelassen. Das war kein Selbstmord, dass hätte sie nie getan. Für Nichts und Niemanden. Du wirst nicht viel von mir wissen, wenn ich Recht habe. Sie hat dir nie etwas von mir erzählt, sie hatte immer Angst, du würdest nie wieder mit ihr reden, wenn sie es täte. Ich bin Shizo, sie hatte immer Angst davor, dich zu verlieren, deswegen weißt du nichts von ihr. Sie war vor zwei Tagen das letzte Mal da gewesen. Ihr hattet einen Streit, sie wollte eigentlich wieder zurückgehen, aber die ist wohl nie bei dir angekommen." Ein dicker Kloß setzte sich in Janas Hals fest, Marion hatte sich wieder mit ihr vertragen wollen, doch irgendjemand oder irgendetwas musste sie daran gehindert haben und sie letztendlich umgebracht haben. "Ich sollte vielleicht jetzt besser gehen. Ich möchte Sie nicht länger belästigen." "Versprich mir, dass du ihren Mörder findest. Danke, dass du es mir gesagt hast..." Ein leichtes Nicken, dann verschwand Jana aus dem Zimmer. Woher nahm sie diese Dreistigkeit? Einfach zu diesem Menschen zu gehen und ihm von Marions Tod erzählen? Durfte sie das überhaupt? Wer hatte sie darum gebeten? Aber er hatte doch auch ein Recht darauf, das Ende von Marion zu erfahren! Jana war sich nicht ganz sicher, ob sie das Richtige getan hatte, dennoch fühlte sie sich erleichtert. Wieder zurück, wieder nach Hause fahren und die Wände anstarren und Nichts dagegen tun können, dass der Mörder freiherumlief, der ihre Marion umgebracht hatte. Für den Rückweg brauchte sie zwei Stunden, drei Ampeln und vier Staus. Sie war in den Dienstschlussverkehr geraten... Die Klingel meldete sich als sie gerade fünf Minuten nachdem sie zuhause war. Jana atmete schwer, öffnete die Türe und blickte recht erstaunt rein. Elli stand vor der Tür , während sie völlig erstaunt drein schaute. "Hallo Elli? Möchtest du reinkommen?" "Ja, sicher doch. Soll ich uns einen Kaffee machen? Du siehst so gestresst aus!" Ohne auch nur eine Antwort abzuwarten ging sie in die Küche. Während sich Jana in dem großen Ohrensessel ihrer Oma Platz nahm. Sie war wirklich etwas gestresst, leicht angegriffen. Sie suchte nach Marions Mörder um ihr und sich selbst Ruhe zu verschaffen, aber das Einzige, was sie damit schaffte, war, dass sie sich völlig erschöpft fühlte. Wenn sie ehrlich war, passte es ganz gut, dass Elli jetzt da war. Die kam auch schon mit einer Tasse Kaffee um die Ecke. Sie stellte sie Jana hin, während sie sich noch eine eigene machte. Dann setzte sie sich auf das große, schwarze Ledersofa, indem sie fast versank. " Hast du schon irgendetwas herausgefunden?" "Ich war bei Marions Bruder, Jens, er muss der Letzte gewesen sein, der sie lebend gesehen hat, aber ich kann nicht glauben, dass er Marion getötet haben soll, er hat sie doch geliebt. Warum sollte er sie ermorden? Sie hat sich ihm doch immer anvertraut. Nein, das ergibt keinen Sinn. Ich glaube es nicht wirklich." Elli nickte, dann setzte sie mit ihrer katzenfreundlichen Stimme an, Jana eine Antwort zu geben. "Warum nicht? Vielleicht war er eifersüchtig auf dich. Er wollte Marion für sich allein haben. Die hat sich geweigert als er sie zur Rede stellte und dann hat er sie erwürgt..." Jana nickte stockend, dass könnte vielleicht sogar sein. Marions Bruder war schizophren , wie er selbst gesagt hatte. Vielleicht konnte er sich gar nicht mehr daran erinnern, was er getan hatte und was nicht. Fest stand, so viel war klar: Er hatte Marion als letzter gesehen. " Aber was, wenn er es war? Haben wir dann ein Recht darauf ihn der Polizei zu übergeben? Wozu? Als wäre das ganze nicht schon so ein großes Unglück, muss es unbedingt der Bruder sein, der sie umbrachte? Es kann eigentlich jeder gewesen sein. Was wenn die Polizei mich verdächtigt?" Ein Zittern machte sich bei diesem Gedanken in ihr Breit, wer garantierte ihr schon, dass die Polizei, das nicht dachte?! "Du warst es aber doch nicht, Jana. Also können sie auch nicht deine Spuren gefunden haben. Warte erst einmal ab! Vielleicht solltest du einmal ein bisschen Abstand gewinnen, heute ist Dead or Alive- Party im Dekadenz, vielleicht möchtest du ja mitkommen? Ich jedenfalls würde mich freuen,den ganzen Tag hier herum zu sitzen, dass kann doch auch nicht das Wahre sein, meinst du nicht Jana? Selbst Polizisten ermitteln nicht 24 Stunden am Tag. Sie brauchen auch einmal Pause. Du brauchst auch einmal Abstand, Jana! Du wirst eine Menge Leute wiedersehen, wenn du mitkommst. Ich möchte nicht, dass du deine Trauer über Marions Tod vergisst nur, dass du sie anders lebst und auch mal etwas anderes siehst als diese weißen Wände, wo dich doch alles sie erinnert." "Na, ich weiß nicht. Marion liegt doch auch kalt auf dem Obduktionstisch ohne, dass sie jemanden hat, der ihre Hand hält. Warum sollte ich dann feiern gehen? Ich finde, das ist keine gute Idee, lass mich hier allein. Ich möchte gerne Trübsal blasen, dann weiß ich wenigstens, woran ich bin." "Oh nein, meine Liebe. Du kommst mit. Und wenn ich dich eigenhändig an den Haaren mitschleifen musst, du musst auch mal raus und Abstand gewinnen. Ich werde dir dabei helfen!" Jana blieb gar keine Zeit lange zu widersprechen, sie wurde einfach hochgezogen und in ihr Schlafzimmer zum Schrank gezogen. Schnell war das perfekte Outfit gefunden. Kurzer schwarzer Rock, Netzstrumpfhose und ein schwarzes Samtoberteil. "Du siehst bezaubernd aus. Wirklich. Kommst du jetzt mit?" "Wenn ich Nein sage, gibt´s du doch eh keine Ruh´. " "Super, dann lass uns jetzt losgehen. Um 20 Uhr ist Einlass, dann können wir schon mal mit ein paar Menschen reden. Ich möchte nur, dass du für einen Moment mal wieder die alte Jana wirst." Auch wenn Jana keine Lust hatte, sie hatte sich breitschlagen lassen, so dass sie nun mit Elli auf dieser Party stand. Die wendete sich allerdings bald ihren Freunden zu. Jana setzte sich auf die Treppenstufen, die zum DJ-Pult führten. Den Kopf in die Hände und die Ellbogen auf die Knie gestützt. Jana wirkte traurig. Elli hatte sich zwar rührend um sie gekümmert, sie verstand auch, dass diese jetzt ihren Spaß haben wollte. Also entfernte sie sich von der feiernden Meute, beobachtete lieber. Jana war so vertieft in ihre Gedanken, dass sie gar nicht merkte, dass jemand von hinten an sie herantrat. Eine starke Hand legte sich auf ihre schmale Schulter nieder,während sie aufsah, lächelte ihr ein verschmitztes Gesicht entgegen. Der Mann, der vor ihr stand, war nicht sonderlich auffällig. Lange, schwarz gefärbte Haare, die glatt herunter hingen. Seine Augen wirkten sanftmütig, gleichzeitig aber auch feurig. Jana sah ihn an. "Sitze ich im Weg?" Ihre Stimme klang verunsichert, recht schwankend stand sie auf. "Jetzt können Sie vorbei." " Das wollte ich eigentlich ja gar nicht. Darf ich mich zu dir setzen? Ich bin übrigens Mark." "Jana." Sie versuchte zu lächeln, doch das ging gründlich daneben. Ihr Lächeln schien die Traurigkeit in ihren Augen noch zu unterstreichen. "Mit wem bist du hier? " "Oh mit Elli, aber die hat sich jetzt mit ihren Freunden verabredet, also bin ich überflüssig. Eigentlich wollte ich auch gar nicht mit feiern gehen. Aber sie hat mich dazu gebracht." "Ein Glück. Darf ich dich auf einen Tanz einladen?" Jana zögerte. Ihr Blick musterte ihn noch einmal... "Sicher doch." Sie mochte ihn. Alles an ihm. Seine Stimme, seine schönen Augen und die Art wie er sich bewegte... Aber glücklich fühlte sie sich nicht. Am liebsten hätte sie laut los geschrieen: Merkt denn hier wirklich niemand etwas? Die Welt dreht weiter, doch da fehlt ein Stück. Ein so großes, dass man es eigentlich gar nicht übersehen kann, aber alle tun so, als wäre es ganz normal. Er fasst sie an die Hand, ging mit ihr zur Tanzfläche, wo er sie anlächelte und losließ. Der DJ spielte Saltatio Mortis- Für Dich. Sie versank in seinen Augen, während er tanzte. Ganz sachte fing auch sie sich zu bewegen an. Dann packte er sie vorsichtig am Kinn, hob ihr Gesicht dem seinen entgegen... Er küsste sie, wie sie schon lange nicht mehr geküsst worden war. Mit einem Feuer auf den Lippen, mit einer Ruhe und Kraft, die sie nicht kannte. Es gab nur etwas, an was sie in diesem Moment dachte: Die Liebe auf den ersten Blick... Erst jetzt erwidert sie seinen Kuss und verlor sich völlig in seinen Augen. Sie wusste nicht wieso, aber sie vertraute ihm auf den ersten Blick, fühlte sich geborgen in seinen Armen..... Beide gaben nach, sie öffnete die Augen. Ganz weit, bleich war sie geworden. Sie schob ihn von sich weg und lief aus dem Dekadenz. Hinter sich ließ sie einen völlig verdutzen Mark zurück.. Sie hatte Glück, ein Bus fuhr gerade in ihre Straße, noch im einsteigen, sah sie wie Mark ebenfalls aus der Diskothek. Sie konnte doch jetzt nicht einfach lieben, wo Marion umgebracht worden war... Was nahm sie sich da heraus ? Und was war mit ihrem Ziel? Den Mörder von Marion zu finden? Sie hätte sich Ohrfeigen können, die Liebe kam immer im falschen Moment. Gerade dann, wenn man sie nicht gebrauchen konnte. Wenn man in diesem überhaupt von Liebe sprechen konnte. Bestimmt hatte Mark sie nur als Betthäschen gewollt und gar nicht länger darüber nachgedacht. Morgen würde sie zur Kripo gehen um eben dieser ihren Verdacht mitzuteilen, dass Marions Bruder der Mörder sein könnte.... Die falsche Wahrheit Wie gedacht, so auch getan. Jana war um halb fünf aufgestanden, hatte sich fertiggemacht um zur Kripo zu gehen. Gegen halb acht stand sie vor dem grauen Gebäude in dem die Kriminalpolizei beherbergt war. Dort schien man sie schon erwartet zu haben. "Guten Morgen, Frau Meisner. Schön, dass sie noch einmal Zeit für uns hatten, wir dachten schon, wir müssten bei Ihnen Zuhause noch einmal anrufen um sie her zu bitten. Gut, dass es auch so geht. Kommen Sie bitte mit!" Irgendwie hatte Jana von Anfang an das Gefühl, dass die beiden Polizisten anders mit ihr umgingen als beim letzten Mal. Irgendwie grober und nicht ganz so sensibel. Doch sie sagte nichts dazu, ließ alles mit sich machen. Einen gehörigen Schrecken bekam sie allerdings doch, als die beiden Männer sie in einen Vehörsaal steckten und dann begannen sie verhören. " So, Frau Meisner, dann erzählen uns mal, wo sie zum Tatzeitpunkt waren. Das würde uns sehr interessieren. Jana zuckte kaum merklich zusammen. Was wollten diese Männer von ihr? Dachten sie etwa, sie hätte ....? Nein, das konnte nicht sein! "Ich war zuhause, ich habe irgendeinen Film geguckt. Dann rief noch meine Mutter gegen 8 Uhr an. Wir plauderten ca. eine Stunde miteinander. Wir haben immer sehr viel zu bereden." "Name und Anschrift Ihrer Mutter, bitte." Der bärtige Beamte, der rechts von ihr saß, schob ihr einen grünen Zettel hin, auf dem sie die Adresse ihrer Mutter sorgfältig und gut lesbar notierte. "Ein Zeuge hat uns mitgeteilt, dass sie einen Streit mit Frau Moller hatten. Ist das richtig?" Sie glaubten es tatsächlich. Jana sah völlig entsetzt drein. "Wir haben uns gestritten. Es war keine Große Sache, wir sind sein Jahren befreundet gewesen. Glauben Sie allen Ernstes wegen eines solchen Streites kündigen wir dem anderen die Freundschaft oder bringen ihn gar um?!" "Was wir glauben, spielt hier keine Rolle. Allein die Fakten zählen. Die Fakten sind, dass sie mit Frau Moller einen Streit hatten und somit auch ein Motiv. Worum ging es in dem Streit? Können sie uns das näher erläutern?" "Eigentlich ging es um eine Lappalie. Ich weiß gar nicht mehr, weshalb ich so durchgedreht bin. Mir ging es in dem Moment nicht besonders. Das war alles. Es gab gar kein spezielles Thema." "Sie erwarten jetzt doch wohl nicht, dass wir Ihnen das glauben, oder?" "Das ist die Wahrheit! Ihr Bruder hat sie doch zuletzt gesehen! Er hat viel stärkeres Motiv sie umzubringen. Er war doch schon immer eifersüchtig auf mich. Warum beschuldigen sie mich? Was kann denn ich dafür? Marion ist tot, aber ich hab sie nicht umgebracht. Anstatt mich zu verdächtigen, sollten sie lieber den richtigen Mörder suchen!!! Ich kann doch nichts dafür, dass Sie zu dumm dafür sind, den echten Mörder zu finden. Suchen sie sich gefälligst jemanden, der wirklich ein Motiv hatte und nicht mich. Ihre beste Freundin. Was wollen Sie eigentlich damit erreichen, außer Tränen und Trauer doch wohl nichts. Was bilden sie sich überhaupt ein. Das ist eine Unverschämtheit !" "Frau Meisner, wir sagen es ja nur sehr ungern, aber sie haben ein starkes Motiv. Streitereien zwischen besten Freunden enden nicht selten in Schlägereien, Mord und Totschlag. Wenn sie sich kooperativ zeigen, dann können wir sicher über einiges reden. Aber so auf gar keinen Fall. Ich möchte Sie nun bitten, die Dienststelle zu verlassen und sich zu unserer Verfügung zu halten. Sollten Sie dies nicht , wird dies ernsthafte Konsequenzen für Sie haben. Ich hoffe Sie haben mich verstanden. Es wären Ihnen zu wünschen!" Jana lief durch die Stadt, völlig verwirrt und unruhig. Die Polizei glaubte tatsächlich sie hätte Marion umgebracht. Warum war sie plötzlich ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten? Wem hatte sie das zu verdanken? Wer war der Verräter? Oder hatte einfach Marions Bruder gesagt, was er wusste ohne böses anrichten zu wollen? Jana wusste es nicht. In ihren Gedanken schwirrte alles durcheinander hin und her. Nichts war mehr geordnet. Nun hing sie mit Prometheus am Felsen. Konnte kaum noch Marion helfen, weil sie so viel Angst hatte bei jeder Bewegung, die sie tat verdächtigt zu werden, dass sie sich sagte, was es denn noch nützen würde... Aber sie hatte es versprochen, versprochen ist versprochen, wird auch nicht gebrochen. Bei Jana erst Recht nicht. Auch wenn es ihr noch so schwer fiel. "Jana?!" Elli.. Jana erkannte diese Stimme sofort. Sie drehte sich um, fiel der jungen Frau in die Arme und schluchzte herzergreifend. "Jana, Kind, was ist passiert? Wo kommst du überhaupt her?" "Sie glauben, ich hätte Marion umgebracht, aber ich war das doch gar nicht. Ich mochte sie doch wie eine Schwester. Warum denken sie so etwas bloß? Hilf mir, Elli!!" "Ich bring dich erst mal nach Hause in dein warmes Bettchen, dann sieht die ganze Welt schon wieder anders aus, glaub´ mir!" So geschah es auch. Elli brachte Jana nach Hause, legte sie ins Bett und verschwand. Fadenkreuz Als Jana am nächsten Morgen aufwachte, fühlte sie sich geschlaucht. Heute war die Beerdigung von Marion, die Polizei hatte die Leiche von ihrer Freundin endlich freigegeben, so dass man sie jetzt beerdigen konnte. Wenigstens Marions Körper würde zur Ruhe kommen. Jana zog sich eine schlichte, schwarze Hose an. Alles das geschah wie ein Roboter. Ihre Bewegungen waren ruckartig, zuckend. Ein klein wenig Angst hatte sie davor, Marion unter die Erde zu bringen. Es war wie das Ende, das man nie wieder zurückgängig machen konnte. Nie wieder und der Mörder lief immer noch frei rum, vielleicht war er sogar unter denjenigen, die Marion auf ihrem letzten Weg begleiteten. Eigentlich wollte Jana gar nicht auf die Beerdigung. Sie fand, dass solche Veranstaltungen immer sehr oberflächlich waren. Manche kannten den Toten gar nicht, trotz dessen weinten sie und beteten sie für dieses Menschenkind. Was half es ? Sie musste Marion begleiten. Irgendjemand hatte die Beerdigung organisiert, sie wusste nicht wen. Wissen wollte sie es vermutlich auch gar nicht. Als sie ankam, standen schon eine Menge Menschen in Trauerkleidung, die sich mit Regenschirmen vor dem Regen schützten. Wenn Jana es sich selbst genau überlegte, fand sie das Wetter eigentlich gar nicht so unpassend. Es schien als würde der Himmel weinen, wenn die Menschen ihre Engel zu Grabe trugen. Jana hasste diese Menschen jetzt schon, wie sie da weinend standen. So heuchlerisch und falsch, nicht ehrlich. Die Trauerrede würde jemand halten, der Marion nicht einmal gekannt hatte. Eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig gewesen wäre. Als Jana in die kleine Kapelle trat, fiel ihr sofort auf, dass die Blumen in rot und weiß gehalten waren. Sie ging zum Sarg und legte die Hand darauf. Ihr Herz schlug schnell, jemand zog sie vom Sarg weg. Wer? Nur das Gefühl nicht allein zu sein war da. Durch starke Arme gestützt zu werden, gehalten nur für sie. Jana sah hoch. Was sie erblickte war Marks Gesicht, der sie einfach in den Armen hielt, während sie leise weinte. Sie drehte sich weg. "Entschuldigen Sie...." "Nein, ich bin dir dafür dankbar. komm wir sollten uns besser setzen. Wir fallen auf. " Er stützte sie als sie zur Bank gingen, sie nahmen Platz in der hintersten Bank. Kurz sah sie ihn an, lehnte ihren Kopf dann gegen seine Schulter. Keine Ahnung, weshalb. Sie mochte ihn einfach, hatte das Gefühl sie konnte ihm Vertrauen. Die Trauerrednerin setzte an. Jana hörte zu, während ihr die Tränen kamen... Liebe Trauergemeinde. Wir haben uns heute hier versammelt, um unsere allseits geliebte Marion auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Wir alle hoffen, dass sie es uns zum Guten vergelten wird, wenn wir eines Tages alle einmal gehen müssen und wieder zu ihr stoßen werden. Alle Menschen müssen gehen, früher oder später einmal. Manche mit Gewalt, manche durch Krankheit, andere leben lange gesund und glücklich. Dass Marion Moller dies nicht vergönnt war, mag ein Wink des Herrn gewesen sein, dennoch beugen wir unser Haupt voller Wehmut und Demut vor ihm. Die Wege, die das Schicksal manchmal einschlägt, mögen für uns unergründlich sein, doch ich bin sicher, dass sie einen tieferen Sinn haben. Marion war ein lebensfroher Mensch, der sich zwar äußerlich dem düsteren hingewandt hatte, aber innerlich ein reines, junges Mädchen geblieben war. Viele von uns haben gute Erinnerungen an sie. Manchmal gab es vielleicht Streit zwischen den Menschen, Marion war immer ein Bindeglied. Sie war eines dieser Wesen, die man einfach lieben musste. Wer eine solche Tat begeht und einen jungen Menschen aus seinem Leben reißt, gehört hinter Gittern..... Bei diesen Worten sprang Jana auf. Mark konnte sie nicht mehr festhalten, ihre Stimme erhob sich und hallte wieder in der kleinen Kapelle. "Marion war mehr als ein Mensch. Sie war mehr als ihr alle es jemals sein werdet. Sie war rein und wunderschön. Das Wort Hass kannte sie nicht, einfach deswegen, weil sie glaubte, dass jeder Mensch etwas liebenswertes an sich hatte. Und ihr? Ihr heuchelt doch nun, wer von euch kannte sie denn so wie sie war? Ihr habt doch nur das schwarze Wesen in ihr gesehen. Nur die, die euch Angst gemacht habt, weil sie anders war als ihr." Jana stolperte bei diesen Worten nach vorne, Mark schloss die Augen. Wie gut er sie verstand, wie gut er dieses Gefühl kannte. Er sah aus den Augenwinkeln zwei schwarze Männer auf Jana zukommen. Sie lag jetzt vor dem Sarg weinend still, wie eine alte Eiche. Oh wie tat ihr das Herze weh. Mark sprang auf, schritt würdevoll nach vorne, zog Jana an den Hüften hoch, während er sie nach draußen trug. Elli war nicht da, sie saß wie versteinert in der Kirche und schämte sich des Anblicks Janas. Kopfschüttelnd starrte sie nach vorne, wie konnte man so undiszipliniert sein? Ihre Arme lagen um Marks Hals, Tränen rannen an ihrem Gesicht herunter. Seine Hände fuhren über ihren Rücken, drückten sie fester an ihn, um sie vor den neugierigen Blicken der Menschen zu schützen. "Scht, Jana. Scht. Es ist alles gut. Vertrau mir. Glaub an dich." Doch anstatt aufzuhören zu weinen, vergrub sie das Gesichter in seiner Jacke. Sie weinte so bitterlich, wie es sich nicht einmal mehr bei Elli getraut hatte. Vor der Kapelle setzte er sie in sein Auto, während er knieend vor ihr saß, die Tränen aus ihrem Gesicht streichelnd immer wieder murmelnd: Alles wird gut, Jana, du schaffst das. Glaub an dich. Bevor die Menschenmassen wieder aus der Kapelle herauskamen, fuhr er sie zu ihr Nachhause ohne, dass er mit reinkam. "So Jana, jetzt muss ich dich leider rausschmeißen. Ich hab noch eine wichtige Verabredung." Mit diesen Worten ließ er sie alleine vor dem Haus stehen. Wenngleich sie überlegte, ob sie hineingehen sollte, machte sie sich wieder auf in Richtung Friedhof, dort wo sie auch ihren kleinen Bruder begraben hatten. Es war nicht sehr weit. Zufuß aller höchstens 3 Minuten. Die meisten der Grabsteine waren schon verblichen und bei Weitem hatten auch schon bessere Zeiten gesehen als diese gesehen. Sie blieb vor einem kleinen Grabstein in Form eines Teddybären mit Schleife stehen. Hendrik Meisner. Ihr kleiner Bruder lag dort unter der Erde. Er hatte damals Leukämie gehabt. Neun Jahre alt war er gewesen, als er starb. Jana starrte auf das kleine, in den Grabstein eingelassene Foto. Sie erinnert sich gut an sein helles Kinderlachen. Dabei war es ihr vor zehn Jahren, als sie 12 war, das letzte Mal in die Ohren gekommen. Mit geschlossenen Augen stand sie da, trauerte um ihn und um Marion, weil beide aus dem Leben gerissen worden waren, obwohl sie Engel mit Flügeln gewesen waren. Jana fand den Spruch: Gott holt seine Engel früh zu sich, albern, einfach unpassend. Den seine Engel sollten doch den Menschen auf der Erde Freude bereiten. Wie konnte er sie da so früh zu sich holen? Warum? Wofür? *+* Mark hatte sich in einen Wald geflüchtet, wo er jetzt auf einem Baumstumpf saß, den Kopf in den Händen, auf den Boden starrend. In seinem Kopf spukten die Bilder von Jana auf der Beerdigung herum. Sein Chef hatte ihm gesagt: "Pass auf, dass die Kleine uns nicht dazwischen funkt. Wir können keinen mehr gebrauchen, der uns stört." Seine Hand tastete nach dem Revolver, einer wie ihn jeder Polizist heute trug. Er schloss die Augen. Es ging nicht, war unmöglich. Sein Herz schlug für sie. Im Stundentakt. Keine Minute verging, in der er nicht an Jana dachte. Niemals konnte er sie verschwinden lassen aus seinem kopf. Er liebte sie. Ihren Gang, ihre Art zu weinen, die schönen dunkelblauen Augen, die aussahen als würden sie direkt aus dem Meer stammen. Dieses Gefühl Jana anlügen zu müssen, ihr nicht sagen zu können, wer er war, es nagte an ihm. Es tat so weh, sie leiden zu sehen. Marion hätte das nicht gewollt, schließlich waren die beiden doch freundinnen gewesen. Warum tat sie ihrer Jana das bloß an? Er fing an daran zu zweifeln, ob es eine höhere Macht gab, wenn die Menschen so litten, glaubte er, wenn er ehrlich war nicht wirklich daran. Aber wer wusste das schon? Vielleicht hatte er gewollt, dass sie sich so kennen lernten. Doch beim besten Willen, verstehen konnte Mark das nicht. Zu gern wäre er zu Jana hingelaufen, hätte ihr seine Liebe gestanden und sie in seine Arme geschlossen. Das durfte er nicht tun, seine Liebe durfte ihn nicht treiben lassen. Er schloss die Augen, verwirrt von den Gefühlen, die auf ihn einstürmten, die sich in ihm breit machten. Diese Verzweifelung, die sich wie kleine spitze Nadeln in seine Seele trieb, nicht aufhörten tiefer zu bohren. Er hätte sich auf dem Boden krümmen mögen. Es tat so weh, es schien als würde er in der Nähe seines Grabes stehen, doch nicht hinein können. Was hatte er getan? Wofür und Warum? War seine Entscheidung den so falsch gewesen? Seine große Liebe. Er glaubte sie in Jana gefunden zu haben. Waren sie sich vor wenigen Tagen noch fremd gewesen, war er sich sicher, dass Jana das war, was jeder suchte. Die große Liebe fühlte sich genau so an, da war er sich hundertprozentig sicher. Seine Freunde hatten ihn früher immer ausgelacht, so was ist nur was für Mädchen, hatten sie ihm jedes Mal gesagt. Sicher er hatte schon einige Freundinnen gehabt, doch keine von ihnen hatte ihm auch nur einen Teil des Gefühls gegeben, was Jana ihm gab. Wenn ihre Augen in seine sahen, so tief, dass er sich manchmal hätte verstecken mögen, aus Angst sie könnte hinter sein kleines Geheimnis kommen. Diese erste wahre Liebe zeigte sich ihm so eindeutig, dass er daran nicht zweifeln konnte. Er zweifelte nur daran, ob es richtig war, Jana in solch einer schweren Zeit zu lieben, wobei das noch ein kleineres Problem barg. Denn Jana wusste gar nicht, dass sie von ihm so sehr geliebt wurde. Sie sah ihn vermutlich nur als Engel in der Not, der einfach da war, wenn sie Hilfe brauchte. Wenn andere sich dafür schämten, ihr zu helfen. So wie Elli, er hatte diesen Blick gesehen, wie sie kopfschüttelnd da saß. Sie konnte und wollte den Ausbruch von Janas Gefühlen nicht verstehen, vielleicht war es besser so. Jana suchte nach dem Mörder, wirklich fündig war sie nicht geworden. Außer einen schizophrenen Bruder von Marion war da nichts gewesen. Gar nichts. Keine Spuren und die Polizei glaubte, dass sie die Täterin war. Die Marion so kühl umgebracht hatte, doch damit hatten sie unrecht. Das wusste Mark sehr genau. Warum? Er wusste es einfach.... Ins Schwarze Als Jana vom Besuch bei ihrem kleinen Bruder wiederkam, standen drei Polizisten in Uniform vor ihrer Tür. "Frau Meisner? Wir sollen sie ins Präsidium bringen. Die Herrn Hauptkommissare möchten noch einmal mit ihnen sprechen." Jana sah auf die Handschellen, die der sprechende bei sich trug. Sie nickte nur, setzte sich langsam in das Polizeiauto. Im Polizeipräsidium saßen die Herrn Hauptkommissare wartend im Verhörzimmer. Jana fühlte sich jetzt schon von dem weißen Licht und den ebenfalls weißen Wänden eingeschüchtert. Über ihre Stirn traten schon Schweißperlen, was wollten sie von ihr? Und warum musterten sie sie so merkwürdig? "Setzen sie sich doch Frau Meisner!" Ohne auch nur ein Wort zu sagen, setzte Jana sich und starrte auf den Tisch vor ihr. Ein Diktiergerät lag vor ihr. Die dicke Hand des Einen Mannes schaltet es ein. "Sie haben heute auf der Beerdigung, die Anwesenden beschuldigt, dass sie Marion Moller nicht kennen würden. Bevor sie etwas dazu sagen, müssen wir Ihnen sagen, dass sie sich bei einer Straftat, bei der sie sich selbst belasten würden, schweigen können." Sie zitterte. Was wollte dieser Mann denn damit schon wieder sagen? Glaubte er tatsächlich sie hätte Marion umgebracht? Das konnte doch nicht sein, weshalb dachten sie so etwas? "Ja, aber es stimmte. Diese Menschen kennen meine Marion doch gar nicht, sie wissen nicht, wie sie war. Haben sich doch gar nicht um sie gekümmert, als sie gelebt hat und jetzt stehen sie da und weinen sich die Augen aus, dass ist doch scheinheilig. Marion war ein Engel, kein Mensch. Sie hätte niemals so etwas getan. Sie hätte sich doch nicht selbst umgebracht, oder umbringen lassen!" Die Stimme zitterte genauso wie ihr Körper, Jana sah nicht auf. Sie starrte vor sich hin auf den Tisch. "Eben. Genau weil sie das glaubten, haben Sie, Frau Meisner, Frau moller attackiert. Sie sind davon ausgegangen, dass Marion sich wehren würde, genau deswegen haben Sie sie erwürgen wollen, im Glauben, dass sie sich wehren würde, haben sie einfach ihre Hände um die Kehle von Frau Moller gelegt und zugedrückt." "Nein, das stimmt nicht. Das ist gelogen." Jana sprang auf, haute mit der flachen Hand auf den Verhörungstisch. Aus ihr brach eine ganze Welle von Gefühlen heraus. Die Wut, die sie bei sich behalten hatte, brach mit voller Wucht aus ihr heraus, wobei sie normalerweise eigentlich eher friedliebend war und niemandem tat sie mit Absicht weh. Jedoch hätte sie heute den Beamten, der links von ihr saß, fast mit den bloßen Händen angegriffen. Diese waren allerdings schneller, schmissen sie auf den Boden, legten ihr Handschellen an & ließen sie abführen. Die drei uniformierten Beamten führten sie in die Zelle, morgen würde man sie dem Haftrichter vorführen, zwar wusste sie das noch nicht, aber die beiden Polizisten hatten schon einen Termin ausgemacht. Doch richtige Indizien hatten sie nicht, auch die Lage, dass man Frau Meisner wirklich dingfest machen konnte. Trotz dessen, die Polizisten keinen anderen Tatverdächtigen hatten, sie waren nicht davon überzeugt, dass Jana die Mörderin war. Die Presse saß ihnen im Nacken, man wollte den Piekbubenmörder gefasst haben. Heute noch kam durch einen Maulwurf heraus, wer der Piekbubenmörder war, auch wenn die Polizei das selbst nicht glaubte. Jana Meisner.... Sie war es nicht, dennoch der Maulwurf verriet den Stand der Ermittlungen. *+* Warum brachte SIE ihre beste Freundin um? Der Piekbubenmörder von München ist gefasst, es ist die beste Freundin der getöteten, Marion M. .Jana M. sie erwürgte die junge Frau am Sonntag, den 16.10. Sie dachte erst gar nicht darüber nach, weshalb sie dies tun sollte. Brachte die Freundin einfach um, sie wollte sie aus ihrem Leben auslöschen, weil sie enttäuscht wurde von der Jungen Marion. Beide waren sie "Grufties", beide tragen sie schwarz. Marion war immer ein lebensbejahender Menschen, von Selbstmord geht die Polizei nicht aus. "Wir gehen bisher davon aus, dass Marion M. ermordet wurde. Selbstmord ist vorher auszuschließen, da sie keinen Grund hatte sich umzubringen. Die Tatverdächtigte wird morgen dem Haftrichter vorgeführt. Wird sie die gerechte Strafe für die Piekbubenmord von München erhalten oder war sie es doch nicht? Mark starrte verwirrt auf das Bild, was neben der großspurigen Überschrift abgebildet war. Die junge Frau, die da so traurig auf dem Bild drein sah, war Jana. Irgendjemand hatte diese Infos durchgereicht, auch wenn Mark nicht daran dachte, dass sie es nicht wahr. Jana hatte Marion nicht umgebracht, aus einem ganz bestimmten Grund, den er selbst nicht genau bestimmen konnte. Er schloss die Augen, während er die Bilder von Jana und Marion an sich vorbei streifen. Marion sah tot genauso aus wie lebend. Genauso engelhaft wie im Leben, dass es eigentlich kaum glaubhaft war. Die Erinnerung kam plötzlich, genauso überwältigend wie ein Taifun. Man hat sie, kann aber nichts dagegen tun. Es ist wie eine Mauer, die man versucht zu durchbrechen, es aber nach zig Versuchen nicht schafft und kapituliert. Nichts war da in seinem Kopf, er hätte sich das Hirn zermartern können, dennoch kein anderes Denken, keine Bilder, nur dieses Bild von Jana auf der Beerdigung dazwischen folgten Gesichter seiner verstorbenen Verwandten. In seiner "Laufbahn" hatte er viele Leichen gesehen, einige wiesen Bezüge zu Jack the Ripper auf, auch wenn sie nicht so aussahen. Er konnte aus allen Fällen Bezüge zu anderen herstellen, was auch daher kam, dass der heute 29 Jährige, Psychologie studiert hatte. Seine Träume waren vielen unbewusst merkwürdig, andersartig vorgekommen. Dabei wussten nicht einmal die wenigstens, dass er, wenn auch etwas abgedreht, eigentlich ganz lieb war. Vielleicht interessierte das auch die wenigstens, obwohl es alle wussten. Es kam ihm vor, wie Jana als Tatverdächtige für den Mord an ihrer Freundin: Alle, ausnahmslos alle, wussten, dass es eigentlich völlig bizarr war, dieses Mädchen als Täter anzusehen, dennoch taten es alle. Die Presse und die Polizei, wenn man einige von Janas und Marions Freunden gefragt hätte, würden eben diese sich vermutlich auch nicht unbedingt sicher sein, ob Jana es nicht getan hatte. Aber Mark wusste es, dafür hätte er seine beiden Händen ins Feuer gelegt. Ohne darüber nachzudenken. Jana tat ihm schrecklich leid, dieser Gedanke, dass die Person, die hinter diesen engelhaften Augen steckte ihre beste Freundin umgebracht haben sollte. Es passte einfach nicht, unglaublich. Nicht in seine Welt. Wozu sollte Jana so etwas getan haben? Nochmals schloss er die Augen, er durfte nicht auf irgendeiner Seite stehen, er durfte nicht einmal eine eigene Meinung über den Fall haben. Er hatte unbefangen zu urteilen. Dies war jedoch nicht der Fall, wenn er sich eine eigene Meinung bildete, dann konnte er nicht unbefangen urteilen, wahrscheinlich wollte er es dann auch gar nicht mehr. Denn dann wollte er es sehen, wie er es sah und sein Auftrag lautete in diesem Fall nun einmal: "Pass auf, dass die Kleine uns nicht dazwischen funkt und behalt sie im Auge." Dafür brauchte er nicht unbefangen sein, wollte er auch nicht, aber dennoch. Irgendetwas in ihm sagte ihm, dass er in diesem Fall kämpfen musste, für das eigentliche Opfer, welches alle für den Täter hielten. Er ahnte es, er ahnte eine große Intrige und selbst wenn er sie nicht geliebt hätte, irgendetwas lag in der Luft. Genau dieses Etwas war es, was es ihm schwer machte zu glauben, was die Presse erzählte... _________________ Der Verstand läuft den Menschen hinterher , vergeblich , sie sind zu schnell für ihn ;) Zuletzt bearbeitet von Nihrys am 28.08.2009, 15:30, insgesamt einmal bearbeitet Ist eine eindrucksvolle und spannende Geschichte. Kompliment. Geht sie noch weiter? Wenn nicht alles raufgepasst hat, musst du sie aufteilen und über die Kommentarfunktion weiterveröffentlichen. Oh, ja die geht noch weiter. Ich habe gar nicht gemerkt, dass nicht alles drauf war ^^ Dankeschön *rot wird* _________________ Der Verstand läuft den Menschen hinterher , vergeblich , sie sind zu schnell für ihn ;) Herzblut Die Tür der Zelle wurde am nächsten Morgen mit einem so lauten Ruck aufgemacht wodurch Jana sich so heftig erschrak, dass sie ihr Bild von sich und Marion fallen ließ. Sie beide standen vor einem alten, großen Baum, den sie damals wunderschön gefunden hatten, weil er ihnen Schutz vor dem Bösen dieser Welt gegeben hatte. Mit seinem weithin ausgestreckten Blätterdach hatte er sie immer vor den kläffenden Hunden beschützt, vor denen sie als Kinder Angst gehabt hatten. Das Foto war noch gar nicht so alt, vielleicht vor zwei, drei Jahren, aber große Veränderungen waren nicht eingetreten, außer das Marion jetzt tot war und sie hier. Im Gefängnis. Dort wo sie eigentlich nicht hingehörte. Einer von den Beamten von gestern holte sie aus der Zelle ab, brachte sie wieder ins Verhörungszimmer und ließ allein. Wieder dieselbe Prozedur wie gestern. Wieder dieselben Fragen. Wozu? Sie wollten Jana festnageln. Die Presse saß der Polizei im Nacken, die Jungen Frauen der Stadt ängstigten sich vor dem Piekbubenmörder. Man wollte einen Täter vorgesetzt bekommen, ob dieser auch der wirkliche Täter war, interessierte niemanden. Wenn es offensichtlich war, dass es nicht der Täter war, so war es nicht von Wichtigkeit, man wollte die Gesellschaft beruhigen. Die Wahrheit zählte nicht, sie würde nie zählen. Manchmal schien es wie bei der Bankenkrise von 1929, die Amerikanischen Banken wurden durch Fehlinvestitionen in die Knie gezogen, die für die Bevölkerung eine große Rolle spielte, diese erfuhr zu spät von den "gestürzten " Bankenkrise, die Großen hatten schon zu geschlagen. Jana konnte sich nicht wehren, ihr wurden die Worte von den zwei Kripobeamten in den Mund gelegt, selbst wenn sie nein sagte, die beiden jedoch der Ansicht waren, dass sie es war, dann konnte sie es selbst nicht anders sagen. Dieses SIE haben es getan und niemand anderes! Es schien eher als wollten sie nur einen Täter haben, nur um die Presse und die Mädchen der Stadt zu beruhigen, aber nichts anderes. Nichts. Aber auch gar nichts. Nicht einmal richtig recherchiert hatten diese Clowns in Janas Augen,dass sie damit wirklich recht hatte, konnte sie ja nicht ahnen. Diese beiden Männer standen nun vor ihr, hatten sie als Mörderin herausgegriffen und schienen sie auch dementsprechend zu bewerten & behandeln. Sollten Kripobeamte nicht immer unbefangen sein? Entweder sie hatten das vergessen oder aber sie hatten es nie gewusst. Zu spät darüber nachzudenken. Jana war in ihren Klauen, rauskommen nicht mehr möglich. Nicht mal mit der Hilfe eines anderen. Zu schwach vor dem Gesetz und zu stark vor dem Richter, das war schon fast blanker Sadismus. "So, Frau Meisner. Dann wollen wir einmal." "Vielleicht sollten Sie einmal Klartext mit uns reden. Das würde sich sicherlich auf ihre Strafe auswirken. Im positiven Sinne. " Das erste Mal, dass Jana den Blick auf den dickbäuchigen Kripokommissar warf. Wäre es nicht zum Weinen gewesen, sie hätte gelacht. "Ich werde keine Tat gestehen, die ich nicht begangen habe. Es tut mir Leid, dass Sie dies nicht verstehen wollen. Vielleicht geht das auch nicht in ihren Kopf, denn wie wir alle wissen, hören Männer ja bekanntlich nur mit einer Gehirnhälfte zu. Es erstaunt mich wirklich nicht sehr, dass sie nicht verstehen wollen, dass ich es schlicht und ergreifend nicht wahr. Ich habe vielleicht kein Alibi, aber meine beste Freundin habe ich nicht umgebracht." Der Beamte lächelte schwach, es schien die erste ernstzunehmende Gegenwehr von Jana zu sein, auf die er nicht gefasst gewesen war. "Nun, Frau Meisner. Der Termin beim Haftrichter ist leider abgesagt worden aufgrund von Beweismängeln, dies heißt für sie, dass wir sie nicht länger hier festhalten können. Ihre Zeit müssen wir trotzdem noch einmal in Anspruch nehmen, aber das wird Ihnen ja sicherlich keine Umstände machen, davon gehen wir einfach aus." Vor lauter Erstaunen riss sie den Mund auf und starrte die beiden Männer an, eigentlich an unglaublich, dass diese dicken Menschen bei der Kripo waren, Jana hatte sich diese Männer immer sportlicher vorgestellt und nicht mit dicken Bierbräuchen, die sie vor sich her schoben. "Viel hab ich ja hier nicht zu sagen." "Frau Meisner, wir möchten sie gerne bitten uns den Tathergang zu beschreiben." "Ich habe NICHTS getan, ich kann Ihnen infolgedessen auch keinen Tathergang beschreiben, dies ist eine natürliche Folge davon." Langsam wurde Jana aggressiv, dass konnte tatsächlich nicht sein, glaubten diese Bullen das wirklich? "Wir glauben, dass Sie lügen, dieses ist allerdings nicht nachweisbar, also müssen wir sie wohl oder übel laufen lassen. Wir werden sie im Auge behalten, Frau Meisner. Glauben sie uns. Vergessen werden wir sie nicht, hüten sie sich vor einem Alleingang. Um einen Unschuldigen in diese Sache mit hinein zu ziehen. " Die Stimme des Mannes klang hart und längst nicht mehr so weich, wie das erste Mal. Er versuchte schon seit einer Weile nicht mehr sie mit falscher Freundlichkeit zu umgarnen. Das war Jana allerdings auch mehr als Recht, denn solche Menschen konnte sie momentan gar nicht gebrauchen. Entweder sie gingen so mit ihr um, wie sie von ihr dachten oder sie ließen es am Besten ganz. Die Handschellen sprangen nach dem Drehen des Schlüssels auf, neu gewonnen Freiheit. Die große Freiheit, vielleicht auch nur die Kleine, aber mittlerweile war ihr alles egal, nur noch fort von hier in ihr Haus. An der Tür hing ein verwelkter Kranz, den sie eigentlich nie schön gefunden hatte, dennoch hatte Marion ihn aufgehängt. Jana blieb dabei: der Kranz mit seinen lila Schleifchen und den Engelchen drauf, war nur noch kitschig. Nicht mal mehr angucken sollte man so etwas. Trotzdem jetzt fand sie ihn ein bisschen schön, wenn er verwelkt war, die einzigen Farbtupfer die Lilaschleifen und die Engelchen waren. Eine kleine Erinnerung an Marion, die verblichen war. Verblichen aber nicht vergessen. Jana suchte eine ganze Weile nach dem Schlüsselloch, bevor sie es gefunden hatte. Dabei war es eigentlich helllichter Tag, jedoch war Jana so verwirrt, dass sie nicht mal mehr genau wusste, wie sie ihren Nachnamen zu schreiben hatte, spielte aber auch keine sonderliche große Rolle. Die Tür sprang mit einem sachten Ruck auf, die Wohnzimmertür stand offen und Jana sah direkt auf die beschriftete Scheibe. Es wirkte als wäre die Schrift darauf mit Blut.... Ein leichtes Zucken durchfuhr ihren Körper. Die Tür war zu gewesen, als sie das Haus gestern verlassen hatte, aber jetzt war sie auf. Entweder ein Geist war in das Haus eingedrungen oder jemand anders hatte sich in dem Gebäude zu schaffen gemacht. Noch konnte Jana die Schrift nicht lesen, ganz langsam trat sie näher heran. Verlaufen wirkte es, tatsächlich als hätte ein Sterbender sein letztes Wort an dieses Fenster geschrieben. Gänsehaut machte sich über ihrem Körper breit, die Angst durchfuhr jede Pore ihres Körpers und ließ sie sich innerlich zusammenkrampfen. Ein bisschen war es als drückte ihr jemand das Herz zu, mit einer solch immensen Kraft, dass sie sich nicht wehren konnte, nicht einmal mehr schreien oder weinen. Dazu blieb ihr keine Zeit. Nur zum Realisieren, die Tränen kamen einfach nicht, vielleicht verweigerten sich. Diese rote Schrift verkörperte den Inbegriff der Angst, die Jana verspürte. Sie strahlte etwas aus, dass man nicht beschreiben konnte. Eine solch´ fürchterliche Ruhe, dass es schon keine Ruhe mehr war, sondern eher ein stummer Schrei der Wut. Immer wieder schlug Jana mit dem kopf gegen irgendwelche Lampen, selbst wenn sie sich blutig geschlagen hätte, sie hätte es nicht gemerkt. Erstaunlich, dass es wirklich dieses bizarre, verschnörkelte Etwas an ihrem Wohnzimmerfenster war, was solche Emotionen auslöste. "Holen werden wir dich auch noch!" Mittelalterliche Schrift, verlaufen.... Jana schien nicht als der Mensch durchzugehen, der sonderlich ängstlich war, aber das machte ihr Angst, ein Schauer jagte ihr über den Rücken. Sie fuhr herum. Hatte sie da nicht etwas Kaltes am Ellenbogen gestreift? Nein, da stand nur die Wand. Fest, dicht und groß. Hier konnte niemand hindurch greifen. Plötzlich fiel vorne die Haustür zu. Der Wind? Jana drehte sich um, ihre kehle fühlte sich wie zugeschnürrt an, kreischen konnte sie nicht und weinen auch nicht. Verwirrung machte sich breit, wer war da eben gewesen? War dort überhaupt jemand gewesen? Sie wusste es nicht, wollte es auch nicht. Keine Ahnung zu haben, konnte man erleichternd sein. Das Problem hier bei nur, sie verstand ziemlich genau was gemeint war, weshalb und wieso. Sie konnte sich nicht unwissend stellen, denn sie stand mitten drin. Genau in der Mitte, wurde bedrängt ohne fliehen zu können, niemand ließ ihr Platz. Keiner war da, der die Arme ausbreitete und sie auffing. Auf die Knie sank Jana erst jetzt, sie saß da, auf das verschmierte Blut, welches eigentlich rote Farbe, starrend. Nichts ging ihr durch den Kopf, Leere. Kein bisschen war da mehr. Ein großes, undefinierbares Etwas, was sich da in ihrem Kopf bildete. Wenn niemand da war, der sie vermisste konnte, sie auch den Mord an Marion zu geben, den sie nicht begangen hatte, aber wen interessierte es dann... Für die Presse würde sie immer der Mörder bleiben. Warum wurde sie dann nicht einfach auch für die Bullen zu einem? Was hinderte sie daran? Ihr Freiheitswille. Im Gefängnis wäre sie jedenfalls sicher vor dieser Person, die ihr androhte sie auch noch zu holen, wenn Marion gestorben war, würde sie bald schon folgen... Jana schluckte hart, sie musste hier heraus, konnte nicht mehr sitzen bleiben. Überall diese Erinnerung, diese Drohung am Fenster, ja, sie fasste es als Drohung auf, was da geschrieben stand. Am liebsten würde sie ihrem Leben ein Ende bereiten, dann konnte niemand mehr an sie herankommen, selbst die Polizei nicht. Nur der Gerichtsmediziner, wenn es überhaupt soweit kommen würde und sie sie nicht sofort unter der Erde verschwinden lassen würden, verdient hätte sie es, dass wusste auch Jana. Marion einfach so im Stich lassen, wie konnte sie nur? Ein Blitz durchzuckte ihren ganzen Körper. Was wollte sie eigentlich noch erreichen, den Mörder würde sie nicht finden, sie war für die Polizei der Mörder & für die Öffentlichkeit sowieso. Traurig aber wahr. Es war ganz einfach so, sie konnte nichts mehr daran ändern. Jana war kurz davor sich aufzugeben, sie sah sich selbst als ihr größter Feind, weil sie sich nicht wehren konnte. Gegen nichts und niemanden, selbst ein Anwalt würde ihr nicht helfen. Alle glaubten, dass sie es gewesen war. Und Jana verstand auch warum, man wollte schließlich einen Verantworlichen haben, damit die Mädchen keine Angst mehr haben musste, aber wenn es der Falsche war, dann hatten sie zwar keine Furcht mehr, waren jedoch umso gefährdeter. Da sie ihre Augen nicht offen hielten. Wieder durchfuhr Jana ein Zucken, dieses Mal allerdings ausgelöst durch eine warme Hand auf ihrer Schulter. Sie fuhr herum mit weit aufgerissenen Augen gewahrte die junge Frau Elli. "Ich... Ich... Ich hab dich gar nicht kommen hören! Wo kommst du auf einmal her?" "Die Tür war auf und da das so gar nicht deine Art ist, dachte ich, ich schaue mal herein um zu sehen, ob auch alles in Ordnung ist. Wie ich sehe ist es das nicht." Elli hatte eine nüchterne Art,selbst Situationen wie diese brachten sie nicht aus der Ruhe. Bei ihr konnte man den Eindruck gewinnen, dass Ruhe das halbe Leben war. Nichts regte sie wirklich auf, Elli war immer die jenige, welche einen kühlen behielt, egal in welcher Umgebung. Nun war sie Janas Stütze, setzte sich zu Jana auf den Boden und nahm sie in die Arm, kein Wort verlor sie über die Worte an der Fensterscheibe, ob sie sie gar nicht gesehen oder einfach übergangen war, dass wusste man nicht. "Soll ich dich ins Bett bringen, Jana? Oder vielleicht einen Tee kochen? " Die Angesprochene schüttelte nur sachte den Kopf. Jana mochte es nicht zu reden, Marion war stets die quirligere von den beiden gewesen. Manchmal hatte sie es schön gefunden, manchmal auch nur nervig. Das kam auf ihre Stimmung an. Meistens hatte Marion sie aber immer mit ihrem Gerede aufgeheitert. Aber wer Jana schon, dass man sich um sie hätte Sorgen machen müssen? Ein Niemand auf dem Weg ins Niemansland, wo man sie nie wieder finden würde. Allerdings, das wäre schön gewesen. Jana ließ sich von Elli ins Bett zerren ohne jeglichen Widerspruch. Die weißen Denken bargen Erinnerung an Marion, die Bilder strömten auf sie ein wie ein Orkan, stürmisch und unhaltbar. Am liebsten hätte sie geschrieen, nein, geht weg, geht weg. Lasst mich in Ruhe! Ich will nicht denken, will doch nur allein sein! Sie konnte sich keinen einzigen Ton aus der Lunge quälen, welche staubtrocken war. Elli brachte ihr ein Glas Wasser mit einer Schlaftablette. "Damit du endlich Ruhe findest, Jana. Du brauchst schließlich auch deinen Schlaf." Jana fiel auf, wie oft Elli "schließlich" verwendete, es ging ihr auf die Nerven, sie sagte aber nichts. "Soll ich dich allein lassen? Ich bleibe auch bei dir, es stört mich nicht. Wir können es tun und lassen,wie du willst." Jana mochte Elli nicht besonders, auch jetzt würde sie am liebsten sagen, dass sie hier bleiben sollte, aber sie hatte keine Lust sich von Elli zu quatschen zu lassen. "Ja, bitte. ich würde gern allein sein. " "Wenn etwas ist, dann melde dich bitte. Ich bin immer für dich da, das weißt du Jana." So richtig vertrauen tat Jana Elli aber nicht. Aus irgendeinem Grund sagte ihr Herz ihr, dass Elli falsch war. Warum sonst hatte sie sich nach so langer Zeit rein zufällig an sie herangemacht? Oh nein, Elli war nicht sonderlich verläßlich. Sie war es aber auch nie gewesen. Das wusste Jana von Marion. Ständig hatte die Freundin wegen Elli Termine verschieben oder ganz absagen müssen, weil diese nicht pünktlich kam oder es ganz und gar vergessen hatte. Jana konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass das jetzt anders war. Warum sollte Elli sich auch großartig gebessert haben? Für wen und warum? Für Marion doch wohl nicht, schließlich hatte sie mit der mittlerweie kaum Kontakt mehr. Früher war das anders gewesen, aber in den letzten zwei Jahren hatten sich die beiden immer weiter voneinander entfernt. Nicht zuletzt wegen Jana. Marion hatte in Jana eine Vertraute auf die sie sich verlassen konnte und das war gut gewesen als Marions Opa damals plötzlich verstorben ist. An einem Hirntumor hatten die Ärzte gesagt. Der lebenslustige Mann war Marions letzter lebender Verwandte gewesen, somit hatte sie auch den Draht zu ihren Eltern verloren. Von ihnen hatte sie schon damals nicht allzu viel gewusst. Aber niemand hatte geglaubt, dass Marion ihrem Opa so schnell folgen würde.Wobei dieser aufgrund von einer Krankheit gestorben war und Marion von einem Fremden aus dieser Welt gerissen worden war. Jana fand das unvorstellbar, dass jemand einen Menschen umbrachte. Sie hatte dieSchlaftablette noch nicht genommen als Elli gegangen war. Ihre Gedanken überschlugen sich. Dabei wusste sie nicht einmal warum. Obwohl sie schrecklich müde war, fiel ihr nicht ein, die Augen zu schließen und einfach abzuschalten. Sie konnte es nicht, sie wollte es nicht. Konnte oder wollte sie es einfach nicht? Ganz langsam fielen Jana die Augen zu trotz allem Grübeln schlief sie ein. Der Schlaf, der über sie kam, brachte einen bösen Traum mit sich. Der Traum Jana fand sich auf einer großen Lichtung wieder. Diese wirkte hell und fröhlich, irgendwie auch düster und melancholisch. Durch die Dunkelheit, die von den umherstehenden dichten Eichen ausgelöst wurde. Ihre Kleider waren bodenlang, schwarz rot. Die Farben der Feuerspucker und Gaukler in denen sie sich wohlfühlte. Dann begann sie die Lichtung zu überqueren. Ihre Augen starrten immer weiter geradeaus durch das Dickicht. Sie dachte an sich,fühlte sich einfach wohl. Die ruhige Jana war völlig außer sich, sie brauchte auf niemanden zu achten, konnte einfach laufen durch den dunkeln Wald laufen. Es schien ihr als würde fast alles von ihr abfallen, was sie bedrückt hatte. Nichts war da mehr, sie fühlte sich als könne sie fliegen... Doch irgendwann verlor sie die Orientierung. Das Schweben wurde zum Alptraum. Sie rannte schreiend immer weiter. In irgendeine Richtung, die sie nicht kannte. Fort aus diesem Wald, bloß weg. Schrecken durchfuhr ihren Körper. Sie atmete schwer als sie immer noch kein helles Licht sah, was das Ende des Waldes ankündigte. Renn weiter, flüsterte eine Stimme in ihr. Renn, renn! Jana konnte nicht mehr rennen, sie brach wie unter der schweren Last, die sie eben noch geglaubt hatte verloren zu haben. Sie lag auf dem Rücken, starrte in das Blätterdach. Heulen von Wölfen klang an ihre Ohren, es schien als wollten diese Rudeltiere sie auf etwas hinweisen, welches sie nicht verstand. Sie riss die Augen auf, die Wölfe waren näher gekommen. Vor ihr stand nun ein großes Tier, grau und schwarz. Die wachen Augen sahen sie ruhig an, während Jana vor dem Tier zurückwich. Angst schnürrte ihren Körper fest zusammen. Der Wolf beugte sich über sie, die Augen funkelten. Immer weiter wich sie zurück. Wohin? Die Flucht ergreifen? Sie fing an zu schreien, das kreischen wurde immer schriller. Der Wolf beugte sich über Jana und riss das Maul auf. Sie sah in das große Maul mit weißen, scharfen Eckzähnen. Ein Schrei rann aus ihrer Kehle in diesem Moment wachte die junge Frau auf. Die weiße Wand, auf die sie mit dem ersten Blick sah, ließ sie denken, der Wolf stünde tatsächlich vor ihr. Tränen rannen ihr über das Gesicht. Was für ein merkwürdiger Traum. Wofür sollte er stehen? Wieso gab es ihn überhaupt? Immer wieder sah Jana den Wolf mit den spitzen Zähnen, der kurz vor dem Zubeißen gestanden hatte. Dann war sie aus dem Schlaf augewacht. Das Ende hatte sie nicht mehr mit erlebt... Vielleicht auch deswegen, weil sie es selbst in der Hand hatte? Aus anderer Sicht Mark stand vor einer Glastür. Seine rechte Hand fuhr hoch zum Klopfen. Die Glastür öffnete sich. Der Mann, der den Kopf heraus streckte, lächelte mit seinem schmalen Mund. "Komm rein, Mark." "Danke." Als er herein trat sah er den zweiten Mann, der selbe Dickbauch, wie der , der ihm die Tür geöffnet hatte. "Ich hab nicht viel über Jana Meisner rausgefunden. Sie wird wohl auch niemanden mehr stören. Is ´ ziemlich fertig mit den Nerven. Denke nicht, dass sie noch irgendwelche Forschungen anstellen wird. " "Du bleibst trotzdem an ihr dran, man sollte sie nie unterschätzen. Gerade solche Frauen sind verdammt gefährlich. Also mach, dass du wieder zu der Kleinen kommst." Mark drehte sich um und verschwand aus dem Büro. "Der ist doch in die Kleine verliebt, warum setzt du ihn auf sie an?" "Ein Verliebter ist besser als zwei andere. Glaub mir. " "Aber er ist doch nicht loyal. Loyal nicht, aber kämpferisch. Wenn die Kleine es nicht war, wird er es als erster wissen. " "Na, wenn du meinst." *+* Wie immer saß er im Auto vor Janas Haus. Sie war drin geblieben. Eine schwarz gekleidete Gestalt hatte vor fünf Minuten das Haus verlassen. Vermutlich Elli. Er kannte dieses Weib nicht, aber Jana hatte sie erwähnt, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Kurz darauf war ein Mann gekommen, vor dem Haus verstecke dieser sich in einem Busch, von dem aus man ihn nicht sehen konnte. Nicht einmal, wenn man genauer hinsah. Mark atmete schwer auf. Eigentlich konnte er auch fahren. Jana war niemand, der nun aus dem Haus kam. Kreuzzug gegen die Verlogenheit Jana lag immer noch in ihrem Bett. Sie wollte nicht aufstehen. Hatte keine Lust nach draußen zu gehen, einfach wieder wegträumen. Trotzdem riss sie sich hoch. Anziehen brauchte sie sich nicht, denn sie war es noch. Schwarze schlichte Hose, langarm Pulli. Jana ging zur Tür heraus, vielleicht wollte sie auch nur fort um weiter zu träumen. Von einem starken Ritter, der immer für sie da war. Den es aber nicht gab und auch nie geben würde. Weil Jana es sich nicht vorstellen konnte jemals wieder von jemandem in den Arm genommen zu werden, so wie Marion und sie es manchmal getan hatten. Einfach sich gegenseitig trösten. In die Arme schließen und weinen. Sie stand gerade am Straßenrand, als der Fremde sich von hinten anschlich und sie auf die Straße schubste. Er zögerte keinen Augenblick, Jana konnte nicht einmal mehr schreien. Es war dichtbefahrene Schnellstraße, für welche schon lange eine Umgehungsstraße gefordert wurde. Im Fall von Jana brauste ein LKW heran. Lautes Huppen ertönte,doch Jana konnte sich nicht mal mehr auffangen. Sie fiel und fiel & wurde von dem LKW erfasst. Dieser bremste mit einem Lauten Quitschen auf der Straße. Der Fahrer sprang aus seinem Fahrersitz. Der Mann war ziemlich sportlich, er sah zu Jana hinunter war Kreidebleich. Auch er hatte die Person gesehen, die weggerannt war, als sie Jana geschubst hatte. Ob Mann oder Frau hätte er widerrum nicht sagen können. Immer wieder hallte dem armen Mann diese Stille in den Augen wieder, dafür war es jetzt umso lauter. Mark kam angerannt. Seine Augen wirkten durchsichtig , ein kleinwenig hysterisch, aber nicht unruhig. Er beugte sich zu Jana herüber. Sie lag in ihrem Blut, atmete aber noch. Leben tat sie noch, dass beruhigte ihn sehr. Wieso ersein Herz an sie verloren hatte wusste er nicht, aber er wusste, dass er sie sehr gern hatte. Dass er sie jetzt retten musste. "Haben sie ein Handy dabei? Ich hab meines leider vergessen." "Ja, natürlich. Einen Moment." Der Fahrer eilte zum Wagen, holte seine Handy und reichte es Mark. Dieser wählte. "Florian7 München hört." "Mark Jarnik. In der Lindenallee ist ein schwerer Autounfall passiert. Eine Schwerverletzte Person. Ich denke sie hat nicht mehr viel Zeit. Bitte beeilen sie sich!" "Wir schicken einen Rettungshubschrauber. Bitte schaffen sie Platz." Mark sah den Mann an. "Glauben sie sie schaffen es noch?", fragte selbiger in diesem Moment. "Ich hoffe doch. Wir müssen die Polizei verständigen." Mit diesen Worten wählte er noch einmal eine Nummer und meldete sich. Es würde eine Streife vorbeikommen, sagte die Stimme am Telefon. *+* Der Unfall wurde im BWK gemeldete. Die Rettungsflieger starteten. "Anfahrunfall, eine schwerverletzte. Lindenallee." Das waren wenige Zeilen für einen solch´ schlimmen Unfall, der vielleicht tötlich enden konnte. Noch kannte die Notärztin Sabine Jansen nicht die gefährliche Situation, die sich ihr bieten würde, wenn sie ankam. Mark kannte Sabine, aber er mochte sie nicht sonderlich. Die Crew sprang in den Hubschrauber, den SAR, und machte sich bereit. Der Pilot, Jens Hörner, meldete sich an den Tower. Hörner: München Tower, good morning from you Medevac 7-1-2-7-2 airborne München inbound Lindenallee. München-Tower: Moin,Moin Medevac in radar contact, you are cleared to Lindenallee ten twenty report on final Lindenallee. Hörner: Medevac 7-1-2-7-2 cleared to Lindenallee, wilco (Ich mach es.). Sabine erhob die Stimme: Wissen wir schon näheres? Jetzt übernahm der Rettungsassitent: Florian 7 München, was wissen wir Näheres? Florian 7: Wahrscheinlich eine ca 22 jährige Person. Weiblich. Schwerstverletzt. Nicht ansprechbar. Polizei ist informiert. Wieder der rettungsassitent: Das ist Verstanden, Florian 7, München. Hörner: München Tower Medevac overhead going to land. München Tower: Roher Medevac wind from the East 10 knots. Hörner: Thank you. Sie rannten zum Unfallort mit dem Zubehör. "Hallo. Ich bin die Notärztin." Sabine reichte Mark die Hand. "Da!", mit dem Finger zeigte er auf Jana. "Ich bin IhreNotärztin." Mit einem Ruck drehte sie sich um: "Wir brauch3en das Beamtungsgerät und zwar schnell. Das Mädchen atmete nur noch sehr schwach, der Puls ist stabil. Ich würde auf eine Leber und Milz-fraktur tippen." Die Ärztin tastete Janas Körper ab, während sie auf die junge Frau einredete. "Sieht jedenfalls nicht nach einer Wirbelsäulenfraktur aus. Eine Gehirnerschütterung, ein gebrochener Arm und ein gebrochenes Bein. Die kriegen wir wieder hin. Wir brauchen die Trage!" Ihre Stimme schallte zu dem Pilot und Navigator herüber. Beide eilten sofort mit der gewünschten Trage herbei. "Sabine?",Mark sah sie an. "Ich weiß, es ist eigentlich nicht erlaubt, aber kann ich mitfliegen?" "Nein, tut mir leid. Das würde mich nur nervös machen. Wir können nur hoffen, dass sie uns unterwegs nicht kolabiert. Jens? Wir bringen sie ins BWK. Meldet uns dort bitte an. " "Sabine, BWK ist besetzt. Wohin? " "UK!" Sie rannten mit der Trage durch eine ganze Menge Schaulustige. Ein Polizist fotografierte den Unfallort und befragte die Anwesenden nach dem,was sie gesehen hatten. Viel kam nicht dabei heraus, aus eine schwarze Gestalt war da nicht viel gewesen... Während Jana unterwegs zum UK war, wo sie operiert wurde, lichtete sich die Menge der Schaulustigen. Jetzt war da nichts interessantes mehr. Wozu sollte man da noch stehen? Mark sah sich um. Irgendwie hatte er kein gutes Gefühle dabei, Jana alleine im Krankenhaus zu lassen, was da alles passieren konnte! Nein, daran wollte er nicht denken. Vermutlich würden sie ihn nicht mal hinein lassen, weil er nicht befugt war. Kein Verwandter. Jana hatte keinen Kontakt mehr mit ihren Eltern, sie würden sie auch nicht besuchen kommen. Sie war eigentlich ziemlich allein und er, er wusste es. Er hätte sie manches Mal, seit dem er sie kannte, so gerne in die Arme genommen. Wie lange würden sie brauchen um Jana wieder aufzupeppeln? Alles hätte er dafür gegeben ihr dabei helfen zu konnen. Nicht befugt, er mochte das Wort nicht. In Jana hatte er seine Liebe gefunden. Er würde sie mit Liebe überschütten, sie ziehen lassen, wenn sie ihre Freiheit brauchte und sie mit offenen Armen empfangen, wenn sie wiederkam. Er liebte sie. wenn er sie aus der Ferne ansah, begann sein Herz zu flattern. Sie hatte soetwas bestimmtes an sich, eine Art, die einen an eine Elfe erinnern konnte. An diese kleinen, frechen Dinger, die in den Fantasy-Filmen immer um die Menschen herumschwebten, die die großen, aber verkannten Helden. Mark musste lächeln, ja, das war Jana. Nicht mehr und nicht weniger. *+* Jana war im OP der Uniklinik. Die Übergabe durch die Notärztin Sabine Jansen war gut verlaufen, jetzt kümmerten sich 3 Ärzte um sie. Die OP war nervenaufreibend, drei Mal fiel Janas Herzschlag herunter. Drei Mal wurde sie wieder geholt. Nach 4 Stunden schob man sie aus dem OP heraus, auf die Intensivstation. Sie hatte die Augen geschlossen, weil sie noch ihre Nakose ausschlief. Mehrere Geräte piepten um sie herum. Eins für die Atmung, einige andere zur Überwachung ihres Herzen. Die Krankenschwestern schauten alle halbe Stunde vorbei, um sicher zu stellen, dass nichts schlimmes oder unerwartetes passierte. Jana bekam das alles nicht mit, sie fiel in eine schwarze Nacht, in der nicht zählte,was man war oder wie man hieß. Man war einfach da. Da schien nichts zu sein nur Schwärze. Diese Ruhe, die sich in Jana ausbreitete, war schon lange nicht mehr durch ihren dünnen Körper gefahren. Die Dunkelheit, welche sich immer mehr in ihrem Kopf breit machte, ließ sie in sich versinken. In die Tiefen ihrer Seele stieg sie hinab. In einer dunklen Kammer saß ein kleines Kind, welches sich weinend zusammen kauerte. Es zitterte vor Kälte und war verlassen und alleine, niemand konnte es retten, der Vater hatte es allein gelassen. Es kam ihr vor als schwebte sie über diesem Kind, die Abgründe ihrer Seele taten sich vor ihr auf. Nicht langsam sondern ganz plötzlich, fast wie eine große Welle, die über sie hereinbrach ohne jegliche Vorwarnung. Ein Ausbruch der Gefühle wie nie zuvor. Und nichts konnte sie dagegen machen. Sie schlief einfach weiter immer tiefer in ihre Seele einzudringen. Wie wenig sie sich selber kannte. Viel wusste sie selbst nicht über sich, dennoch kannte sie ihre Grenzen, Fehler und Schwächen. Wunder gab es noch, es würde sie immer wieder geben. Die Ärzte gaben Jana ziemlich gute Chancen obwohl sie immer noch keine Minute bei Bewusstsein gewesen war. Blicke in die Vergangenheit Nur ein Besuch kam in einer Woche vorbei. Mark. Er saß jeden Tag eine Stunde am Abend an ihrem Bett, hielt ihre Hand in seiner, die viel größer war als die Ihrige. Sie hatte lange, gefeilte Fingernägel, ganz dünne Hände, wunderschoen geformt. Seine Finger strichen über ihre, spendeten Wärme. Er hatte immer Warme Hände wie ein Feuer, was in ihm brannte. Das neue entflammte Feuer der Leidenschaft, welches nur die Liebe wirklich anzünden konnte. Er redete mit Jana, gab für sie antworten ohne zu wissen, was Jana sagen würde. Nach dem er am Mittwoch eine Stunde an ihrem Bett gesessen hatte. Ihre Hand gehalten und mit ihr geredet hatte, wollte er gehen. Doch dann jedoch öffnete Jana die Augen und formte mit dem Mund Worte, die Mark nicht lesen konnte. "Jana!" Er schrie es fast, daran hatte er nicht geglaubt. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, die sinnlich geschwungen waren. Auch er musste Lächeln, sie war selbst jetzt noch so schön, wie vorher. Wo sie an vielen Geräten hing. Er setzte sich an ihr Bettchen. "Ich bin so froh, Jana." "Elli?", Ihre Lippen formten dieses Wort. "Die Polizei weiß nicht, wo sie ist. Sie hat dich nicht besucht, Jana." "Ich weiß.... Meine Tagebücher... Bring mir bitte meine Tagebücher. Sie liegen unter dem Bett. Bitte..." Nach diesen Worten fiel Jana wieder in den Tiefschlaf. Eine Ärztin stand schon hinter ihm, so dass er sich beeilte herauszukommen. Er wollte nicht dabei sein, wenn Jana untersucht wurde. Noch an diesem Abend fuhr Mark zu Jana nach Hause. Unter dem Bett stand eine Kiste mit vielen Postkarten beklebt. Die meisten waren von Victoria Francés. Die Neugier überfuhr ihn einen Moment, doch er entschied sich nicht hineinzugucken. Er brachte die Kiste ins Krankenhaus ohne Janas Vertrauen zu missbrauchen. Diese bekam die Kiste mit den Tagebüchern erst am nächsten Mogen, damit sie zur Nachtruhe nicht mehr gestört wurde. Wer war Mark? *+* Jana war ziemlich schnell von der Intensivstation auf die Normalstation 1c verlegt worden. Hier bekam sie auch das Paket. Kein Brief von Mark, nur das Kästchen. Ganz langsam öffnete sie den Deckel. Jana hatte seit dem sie schreiben konnte Tagebuch geschrieben, akribisch genau. Jeden Tag notiert, was schreckliches und was schönes passiert war. Marion und sie hatten sich die Einträge immer gegenseitig vorgelesen. Es waren schöne Erinnerungen. Sie liebte diese Bücher, hatte aber sehr lange nicht mehr reingeschaut. Jetzt saß sie da und blätterte darin herum. Krakelige Kinderschrift... Viel war da über Marion zwar noch nicht geschrieben, aber dennoch. Nachher als ihre Schrift ordentlicher wurde, sie musste zwölf gewesen sein. Darin vertiefte Jana sich nun... Lass viel... Liebes Tagebuch, Marion und Ich haben heute einen schönen Tag, wir waren im Wachsfigurenkabinett, dort konnte man sehr viel sehen. Was ich am schönsten fand, war die Sissi und der Graf Dracula. Marion hatte eine Menge Spaß, ich natürltich auch. Wir waren schon lange nicht mehr allein weg, einfach nur untereinander. Heute war es, weil ich 13 wurde. Wir sind nach Hamburg gefahren mit dem Zug. Meine Mama hatte es erlaubt. Es war wirklich schön. Marion und ich hatten einen schönen Tag, ich habe erfahren, dass Marion ein Kanninchen kriegt. Sue möchte es Elli nennen, wie die Elli, die sie schon so lange kennt. Sie kennt sie länger als mich. 4 Monate länger, trotzdem wir sind die besten Freunden, für immer. Zusammen sind wir doch am stärksten. Solche Dinge könnten wir jeder Zeit noch einmal machen. Ich würxde mich freuen, ich glaube Marion auch. Ich hoffe, ich kann dir jetzt nicht mehr allzu viel schreiben, weil Mama gleich kommt und mir meine Gute Nacht geschichte liest. Mach´s gut, Bis morgen. Deine Jana. Sie schloss die Augen. Ja, Marion und sie, das war immer ein etwas auffälliges Gespann. Immer schwarz, rote Strumpfhosen mit Netzstrumpfhosen. Meistens im Partnerlook. Es war immer schön gewesen. Zusammen sind wir stark, jetzt waren sie nicht mehr zusammen stark. Jetzt war Jana ganz allein, musste kämpfen. Ohne Marion. Aber solange sie an Marion dachte, war selbige noch nicht ganz tot. vergessen würde Jana sie nicht! Liebes Tagebuch, Ich glaube Elli ist eifersüchtig auf mich. Sie wollte Marion nur für sich haben, aber heute abend auf der Geburtstagsfeier hatte sie die ganze Zeit neben Marion gestanden und selbige beschäftigtete sich auch nur mit mir. Dass Elli dies nicht passte, sah sogar ein blinder Krückstock. Sie mochte mich nicht, das hat man ihr auch angesehen. Ihre Augen waren ganz feindsleig, wenn sie mich angesehen hatte. Ich verstehe nicht wieso. Wofür? Was hab ich ihr getan? Ich wollte Marion doch nicht nur für mich haben, aber sie hat sich doch so um mich gekümmert, als ich ganz allein war. Ich hatte mich doch auch zwischen den beiden aufstellen wollte, ich hatte doch mit meinen 13 nur einmal auf eine Party gewollt, die erste Party, die ich genoßen hab. Trotzdem Elli mich so angeguckt hatte. Mama sagt, dass das bloß Einbildung ist und Elli mich bestimmt ganz gut leiden konnte, das aber gestern nich so zum Ausdruck bringen konnte. Ich glaube das nicht. Marion hat mir gestern von jemandem erzählt, den sie kennen gelernt hatte, es war wohl eine Frau gewesen, Marion hatte Frauen mehr gemocht. Von Anfang an war das einfach so gewesen. Aber lesbisch wra sie nicht. Glaube ich jedenfalls. Ich habe aber auch keine Ahnung. Wirklich nicht, eigentlich ist es auch nicht mein Problem. Marion ist ja schließlich auch schon 14. Ein Jahr älter... Sie kennt verdammt viele aus der Szene, aber ich bin ganz allein. Trotzdem ich eigentlich ganz nett bin, sage ich einfach mal. ich bin davon überzeugt. Aber wer bin ich schon, ich bin doch nur die kleine Jana, die niemand so wirklich wahrnimmt. Vielleicht ist es einfach besser so. Dann fall ich auch niemandem auf, obwohl ich es manchmal oder sogar ziemlich oft tat. Ich möchte dich aber auch nicht weiter belasten, denn das ist nicht mein Ding. Mach´s besser als ich Liebes Tagebuch. Deine Jana. "So, Frau Meisner. Ihr Essen kommt. " "Sie können es gleich wieder mitnehmen. Ich habe keinen Hunger. Ich möchte nichts Essen , wirklich nicht." "Na, Frau Meisner, wir müssen sie doch hochpäppeln . Also das bisschen müssen sie aber nun wirklich essen. So dünn wie sie sind!" Der Blick der Schwester deutete an, dass sie keinen Widerspruch duldete. Janas Blick glitt über das ekelhaft erregend angepantschte Essen. Sie rührte mit der Gabel ein bisschen in dem undefinierbarem Matsch herum, der sich tatsächlich als ihr Essen entpuppte. Dann stellte sie es wieder zurück und ließ es wieder zurück in die Küche bringen, aufstehen durfte sie selbst noch nicht, da man ihr strengste Bettruhe verordnet hate, allerdings konnte sie das auch noch gar nicht. Da sie ein gebrochenes Bein hatte. Der gebrochene Arm störte sie nicht beim stöbern in den alten Tagebüchern, ihr "aktuelles" lag zuhause. Schreiben wollte sie auch jetzt gar nicht. Also immer weiter lesen, es war schön in alten Erinnerungen zu schwelgen. Liebes Tagebuch, Heute war kein schöner Tag, einer der schlimmsten, die ich jemals erlebte habe. Marion und ich waren draußen. Wir haben uns gestritten. Wegen zwei Jungs. Sie haben uns geschubst und ganz schrecklich ausgelacht. Ich konnte gar nichts machen, ich stand einfach nur da. Ich schaute zu, konnte mich nicht wehren. Marion weinte ganz schrecklich und ich auch. Ganz viele Schrammen hatten wir am Körper, Blut lief üvber unser Gesicht. Aber wir ahnten ja nicht, dass wir uns danach so doll streiten würden. Als wir vor dem Spielplatz standen, schrie Marion mich plötzlich an. "Du bist schuld, dass sie uns verprügelt haben! Du standest da und hast gar nichts getan, hast dich auch noch herumschubsen lassen. Weißt du eigentlich wie scheiße das ist? Elli hätte das ganz anders gemacht!" Der leichte Vorwurf der aus ihrer Stimme zu hören war, tat mir sehr weh. Wirklich, Elli hätte das anders gemacht. Aber ich nicht, Elli war besser als ich. "Ich konnte mich doch selber nicht wehren, Marion! Ich möchte Elli in einer solchen Situation sehen. So eine dumme kuh, lass mich in Ruhe!" Ich fühlte mich nach diesem schlimmen Streit richtig scheiße. Marion und ich hatten uns noch nie so gestritten, wir schwiegen danach tagelang mit einander. Niemand gab nach, selbst in der Schule redeten wir nicht. Ich hatte zwar meine älteren Freunde, aber ich vernisste Marion. Nun sitze ich hier, denke darüber nach, was ich tun könnte oder auch wie ich mit Marion wieder normal reden könne. Ich traute mich aber nicht. An meinem Fenster, flog ein Vogel vorbei. Diese Elli, ich hasse sie. Sie nimmt mir Marion weg, ganz langsam. Keiner merkt es selbst, nicht mal Marion. Verdammt, wofür? Marion ist doch meine beste Freundin.. Ich muss einfach unsere Freundschaft retten. Deine Jana Sie erinnerte sich noch ganz genau daran, wie Marion und sie sich einmal in ihrem Leben gestritten hatten. Einmal und sonst nie wieder. Freunde waren sie immer geblieben,dennoch dieser Streit hatte die Luft bereinigt. Marion hatte zwar noch Kontakt mit dieser Elli gehalten, aber dennoch hatte sie nicht mehr so viel Zeit mit ihr verbracht. Elli war Jana schon immer unsympathisch gewesen, sie wusste nicht weshalb, Elli sich plötzlich so freundlich verhalten hatte. Deswegen war Jana auch so nett gewesen, weil sie dachte, dass Elli sich sicher verändert hatte. Vielleicht hatte sie sich getäuscht, Elli war bestimmt immer noch auf Jana eifersüchtig gewesen. Liebes Tagebuch, Elli hasst mich. Sie hasst mich mehr als manch anderen, den sie jemals kannte. Marion und ich haben uns wieder vertragen. Ich weiß nicht einmal wieso, nach der verhauenen Mathearbeit kam sie zu mir. Marion hatte eine fünf, ich auch. Wir haben gar nichts mehr über unseren Streit gesagt, nur überdie doofen Matheaufgaben, die der Mathe-Werner uns gestellt hatte... Einfach nur grauenvoll. Marion und ich können einfach nicht ohne einander. Es ist wirklich mehr als schön, wieder mit Marion in die Stadt gehen zu können. Zu Lachen. Ohne daran zu denken, dass Elli "besser" war als ich. Ich mag Marion, wirklich. Sie ist mir unheimlich wichtig, ich hab sie sehr lieb gewonnen. Nie möchte ich sie verlieren. Verstehst du das? Ich hab sie so gern. Marion ist immer für mich da. Aber ich bin ja auch für sie. Deine Jana. Jana lächelte. Ja, Marion und sie. Sie waren immer zusammengewesen. Nur jetzt, da waren sie getrennt. Immer wieder dachte Jana darüber nach. Ihre Gedanke schweiften immerzu dazu ab. Zu Marion und vergangenen Zeiten. Sie dachte viel darüber nach, wie es jetzt gewesen wäre, wenn Marion hier gewesen wäre. Eigentlich brauchte sie darüber nicht mehr nach zu denken, denn Marion war tot. Dieser Gedanke huschte ihr jedes Mal durch den Kopf, wenn sie an Marion dachte. An die Freundschaft. Plötzlich öffnete sich die Tür des Krankenzimmers, Jana wollte sich schon aufrichten um Mark zu begrüßen, doch es war nicht Mark. Es war Marions Bruder. "Du hast sie umgebracht!", zischte er. Seine Stimme war feindlich angespannt, man spürte einen groben Hass, den man förmlich anfassen konnte. "Gib es zu, du wolltest dich nur selbst aus der Falle holen, als du bei mir angekommen bist. Du wolltest nur ihren Mord vertuschen. Dass DU es warst. Sogar dafür bist du zu feige. Zu sagen, dass du es warst. So viel Mit hast du besessen zu mir zu kommen, aber mehr auch nicht. Du warst es." "Nein, um Gottes Willen. Ich war es nicht. Ich hab Marion nicht umgebracht. Was willst du überhaupt von mir?" "Der Polizei die Arbeit abnehmen, vielleicht?!" Janas Augen wurden immer größer, was hatte dieser Mann vor? War Marions Bruder wirklich so bescheuert? Er war psychisch krank, ja sicher.Aber doch nicht so. Ein helles Lachen durchzuckte die Ruhe in dem kleinen Zimmer. Gestrichen ganz weiß, ein klein wenig wie die Irrenanstalt, in der er seine Zeit verbracht hatte. Kinski. Ja, daran erinnerte er sie. Verrückt, bekloppt. Aber irgendwie unheimlich sympathisch. Es war ein merkwürdiges Gefühl. "Ich war es nicht, wirklich. " "Das soll ich dir kleiner Schlampe glauben?! Du warst doch eifersüchtig auf Elli, auf Marion, dass sie so viele Freunde hatte. Und DU, du warst ein niemand. Niemand hatte dich gern. Außer Marion und darauf warst du eifersüchtig. Du hast ihr gar nichts gegönnt. Nicht einmal ihren Freunde." "Marion war lesbisch." Janas Stimme war dunkel, zitternd und kühl. "Du lügst. Gar nichts weißt du über sie. Nichts. Du bist die Verräterin. Marion hat dich gemocht und du? Du hast es schamlos ausgenutzt." Bei diesen Worten zog er ein Springmesser. "Ich bring dich um,du kleine Schlampe." "Ich war es nicht, du musst mir glauben." "Halt die Schnauze und stirb, du Schlampe." Damit hob er die Hand, in der er das Messer hielt und versuchte auf die junge Frau einzustechen. Jana lief ein Schauer über den Rücken, die Ansgt schnürrte ihr die Kehle zu, sie wollte schreien, aber sie konnte nicht. Der Mann legte sich auf sie und drückte ihr die kehle zu. Jana versuchte sich zu wehren, sie strampelte und schlug um sich. Doch Marions Bruder war stärker als sie. Er war ein Bär von Mann. Kurz gelang es ihr, sich aus dem Griff des Mannes und sie schrie und schrie aus Leibeskräften, immer weiter, immer lauter. Dann legte sich wieder seine fettige Hand auf ihr Gesicht, drückte zu. Sie dachte schon, sie müsse ihr letztes Stoßgebet auskreischen, als sich die Tür öffnete. Mark starrte auf die Szene, die sich ihm bot. Jedoch war er geistesgegenwärtig genug, den Mann von der zappelnden Jana herunter zu ziehen. Ein Schlag traf den Bruder von Marion ins Gesicht. "Raus!" Marks Stimme klang bitter böse, wenn der Mann noch weiter gemacht hätte, hätte er auch nicht davor zurückgeschreckt, ihn zu Boden zu schlagen. "Verschwinden Sie und zwar ein bisschen Schnell!" "Jana, um Gottes Willen. Wer war das?" Sie zitterte immer noch, als sie die Stimme bemüht ruhig erhob. "Das war Marions Bruder." Ihr Blick schweifte zu ihm hoch. "Ich hatte so Angst." Ganz hilflos wirkte sie,wie sie dort saß. Jana hatte sich aufgerichtet, ihren Blick warf sie fahrig zu ihm herüber. Ihre Augen funkelten kurz auf. "Ich war es nicht, wirklich." Tränen rannen über ihr bleiches Gesicht. "Glaub du mir wenigstens, bitte. Sag, dass du es tust. Ich kenne dich nicht, aber du scheinst mich besser zu kennen, als ich dich." "Jana, ich weiß es nicht. Wirklich nicht." Er log, dass sah man ihm an. Sein Rücken drehte sich ihr zu und er rannte aus dem Zimmer. Mark wusste nicht mehr ein noch aus. Weshalb? Sie sah ihm nach ohne zu wissen, was er hatte... Aber sie schwieg dazu, was vielleicht auch besser war. Eine Schwester kam herein, mollig, aber mit gütigem Gesicht. "Ist alles in Ordnung, Frau Meisner.?" Die Frau nuschelte ziemlich, trotzdem Jana mochte sie. Die gütigen Augen von der Frau ließen Jana Vertrauen fassen. "Ja, es ist alles in Ordnung. Nur ein Mann hat mich gestört. Nicht der von eben, ein anderer." "Sollte er noch mal kommen, können Sie einfach auf den Schwesternknopf drücken, Sie wissen ja, wie das geht." "Ja, natürlich. Danke." Den Namen auf dem Schildchen der Schwester konnte sie nicht sehen, wirklich interessieren tat sie es auch nicht. Sachte legte sich die Dunkelheit über die Stadt, überall krabbelte sie hin. In Jede noch so kleine Ritze kletterte es, Jana mochte die Dunkelheit, jedoch mochte sie jetzt nicht da liegen ohne etwas zu sehen... Mehr noch. Sie hasste es gerade. Ihre Hand suchte den Lichtschalter, die Neonröhre flackerte auf. Es dauerte bei diesem Krankenhauslicht immer etwas länger, bis man etwas sah, ohne das man glaubte in der Diskothek vor einer dieser Diskokugeln zu stehen. Jana fühlte sich bei diesem gräßlichen Neonlicht nicht wohl, an Schlaf war nicht zu denken. Ganz im Gegenteil Jana wurde immer wacher von dem Licht und ihren Gedanken, die sie immer wieder aufschrecken ließen. Was wenn Marions Bruder wiederkommen würde? Oh Gott, warum hatte sie ihn bloß besucht? Vielleicht war er ja der Mörder von Marion... Dann hatte sie ihn direkt in ihre Richtung gelockt. Dumm wie ein treuer Dackel war sie in die Falle getippt. Ihr rannen Tränen über die Wange, verwirrt saß sie in ihrem Bett, hätte am liebsten lauthals gekreischt, konnte aber nicht, weil sie kaum einen Ton aus ihrer Kehle hinauspressen konnte, es fiel ihr so schwer... Sie suchte nach dem roten Knopf, die Schwester sollte kommen um zu schauen, ob jemand da gewesen. Jana war sich ganz sicher das irgendetwas hier war. Doch die Schwester versicherte, dass niemand hier war und ging kopfschüttelnd aus dem Zimmer heraus, Es war nicht die mollige, nette Krankenschwester mit dem runden Gesicht gewesen, einfach freundlich. Die meisten schienen sie für völlig gestört zu halten,nicht mal annähernd für gesund im Kopf. Der Hass loderte plötzlich in ihr hoch, solche Menschen. Wie hinterhältig die Spezie Mensch doch war und wie falsch. Wie konnten solche Wesen bloß Liebe empfinden? Für wen und weshalb? Vielleicht nur aus Eigensucht? Was war auch Liebe schon? Außer ein Gefühl, dass im Wind vergehen konnte, wann es sich danach fühlte. Gefühle kamen und gingen, wie sie lustig waren oder auch nicht. Jana wusste das, trotzdem,sie hatte Angst vor Gefühlen. Sie wollte sich nie wieder jemandem so hingeben wie Marion. Man sah ja wohin das jetzt führte. In Tränen aufgelöst im städtischen Krankenhaus zu liegen, ja, das war es. Sie schüttelte den Kopf, diese Gedanken waren nicht gut. Positiv denken. Wenn das doch bloß so einfach wäre. Einfach irgendwo hin verschwinden und nie wieder auftauchen, aber bevor sie aus Europa hätte die Polizei sie schon fest genommen, in dme Glauben, man hätte den Mörder gefasst. Bei diesen klaren gedanken stöhnte sie. Das Leben war nicht gerecht, es würde auch nie zu einem gerechten Gerichtshof werden, wer wusste aber schon wofür das gut war? Wofür lebten sie noch? Man konnte wegen so vielen Dingen ein lebenswertes Leben verlieren. Wegen einem schlechtem Gewissen, wofür man eigentlich gar nichts konnte. Wegen einer Krankheit, die einen übermannte und das ganze Leben vernichtete. Marion konnte ihr jetzt nicht helfen, sie lag unter der Erde, besah sich die Radieschen von unten... Das Salz der Erde Jana kam nach 4 Wochen aus dem Krankenhaus, die gebrochenen Rippen waren verheilt. Ansonsten musste sie auf Krüken gehen, was gar nicht so einfach war mit einem gebrochenen Arm dazu. Die Gehirnerschütterung war auch fast Vergangenheit. Sie wurde nicht vom Krankenhaus abgeholt, nein, sie musste sich ein Taxi rufen lassen, weil niemand da war der sie abholte. Mark hatte zutun, das wusste sie einfach, da sie vermutete, dass er sonst bestimmt da gewesen wäre. Ihr Wissen warum, sie Mark mochte hielt sich in Grenzen, es war einfach so. seine Augen waren wunderschön... Das gelbe Taxi, was sie sich hatte rufen lassen, fuhr wenige Minuten später vor. Fast schon etwas zu früh wie sie fand, aber sie machte sich keine weiteren Gedanken darum, denn jetzt wollte sie nur noch nach Hause, auch wenn es dort leise und unheimlich war. Als sie die Tür des Hauses mit einem leisenen Knacken öffnete, schlug ihr Herz so hoch als wolle es ihr aus dem Leibe springen. Eine schwarz behandschuhte Hand legte sich um ihren Hals und zog sie ins Haus hinein. Es war Jana nicht möglich sich zu wehren, eine zweite Hand legte sich bereits über ihren Mund, ebenfalls behandschuht. "Wenn du schreist, bist du tot, Kleines." Zuerst schoß es Jana durch den Kopf, dass es Mark war, aber die Stimme klang nicht nach ihm, sie war so kalt, so schauerhaft, wohingegen es ganz weich schien, wenn Mark mit einem sprach. Es klinge einfach anders, sagte sie sich. Ein Auto stand in der Garage, grüner Toyata, die Nummernschilder waren mit grauen Paketband abgeklebt. Jana konnte sich nicht wehren, die starken Hände drückten ihre Arme eng zusammen, es schmerzte so doll, dass sie Angst hatte, ihre Arme würden noch einmal gebrochen werden. Das fremde Wesen packte sie in den Kofferraum des Wagens, es ging dabei nicht sonderlich zimperlich vor, eher noch brutal. Eingezwängt, die krüken hatte sie fallen lassen, als die Person sie so vorsichtig leise von hinten gepackt hatte, obwohl sie schon relativ klein war, 160 cm nicht größer, der Motor des Autos polterte los. Die Zeit kam Jana unheimlich lang vor, wie sie so da im Auto saß. Sie hatte Angst, so schrecklich viel Angst. Ihr schien es als legten sich eiserne Ketten um ihren ganzen Körper, schnürrten sich immer fester. Plötzlich hielt der Wagen an, das Wesen stieg aus. Jana bekam ein schwarzes Tuch um die Augen, sie war wie gelähmt, konnte nichts sagen. Nichts fühlen, ließ alles mit sich machen ohne sich zu wehren, vielleicht auch weil sie wusste, dass sie so oder so keine Chance hatte gegen dieses Wesen. In Janas Kopf war Leere. So dumpf, so unwirklich. Nicht da. Es war wie als hätte irgendjemand ihr alles aus dem Kopf herausgesogen, dass das nicht so war, wusste Jana auch. Dennoch.... Etwas Kaltes spürte sie an ihrem Rücken, ein Messer. "Geh schon!" Die Stimme klang gereitzt, nein, das war nicht Mark. Das konnte er gar nicht sein. Verwirrt lief Jana in irgendeine Richtung, die sie nicht sah. Blindlinks, warum auch nicht? Es musste irgendein altes industriegelände sein, ständig fiel Jana über irgendetwas, musste sich selbst wieder blind aufrichten und wurde weiter gescheucht, wenn sie wieder oben stand. Völlig in der Hand dieser Person. Eine Treppe, die Jana hinunter gehen musste. Es ging nach unten, ganz tief. Doch dann stoppte der Fremde, während sie noch ein paar Schritte weiter lief, jedoch plötzlich wie ein Blitz bemerkte, dass kein kaltes Messer mehr an ihrem Rücken war. Jemand nahm ihr das schwarze Tuch von den Augen und stieß sie gleichzeitig in die Ecke. "Na, wie fühlt sich das an?" Jana antwortete nicht, sie ging auch nicht davon aus, dass die Frage wirklich an sie gerichtet war. Sie behielt recht, dieser jemand leuchtete mit der Taschenlampe in eine andere Ecke. "Hunger solltest du hier nicht bekommen, genug Ratten sind jedenfalls da. Ratten wie dein Mark eine ist. Er ist bei der Kripo. Kriminalpsychologe. Ganz schön peinlich sich so jemandem um die Hüfte zu schmeißen, der doch eigentlich auf einen angesetzt war. Ich muss sagen, dich habe ich klüger in Erinnerung. Er wusste die ganze Zeit, dass du nicht die Mörderin bist, die Bullen sind vermutlich einfach zu dumm um mich zu fassen. Tja, ein bisschen Eigenlob muss schließlich auch mal sein, findest du nicht? Aber mich können sie danach sowieso nicht mehr befragen. Du kannst hier warten bis dein Schätzchen rausfindet, dass du entführt worden bist, falls er es rechtzeitig herausfindet, dass du hier bist und dich dann von ihm retten lassen. Ach ja, da schließt der Traumprinz seine Traumprinzessin in die Arme. Mach´s gut, Jana. Auf nimmer Wiedersehen. " Ein schrilles Lachen entfuhr der Kehle der Fremden. Die Jana jetzt erkannt hatte. Es war Elli. Eine Tür fiel in ein Schloss und Jana rannte schreiend gegen irgendeine Wand, die gerade in der Nähe war. Ihre Hände schlugen gegen die Mauer, ratschten sich auf und bluteten.. Jana weinte und schrie man möge sie herauslassen, aber niemand war dort, der ihren Wunsch hätte erhören können. "Verdammt, es muss doch jemand hier sein, der mich hört! Lassen sie mich gefälligst raus hier, sie haben alles gelogen, nichts von dem, was sie sagten stimmt! Sagen sie es doch, verdammt. Sagen sie es!" Doch alles was Jana hörte, war Stille. Weit und breit nur Stille, keine Mucks dran zu ihr durch. Nicht einmal das Kleinste Geräusch erklang irgendwo. Ihre Hände bluteten, Jana setzte sich irgendwo hin. Sie fror am ganzen Körper. Sie musste ruhig bleiben, bis die Polizei kam.Dann würden sie ihr glauben, dass sie unschuldig war. Niemand entführte sich selbst. Jana konnte nicht denken, sie saß nur stumm da. Alles in ihrem Kopf huschte durcheinander, wie in einem kino. Wo man pro Minute 30 Bilder sah. Da gab es so viel ihrem Kopf, Jana hätte es nicht aufzählen können, vielleicht wollte sie es auch gar nicht. Die Bilder von ihrem Papa kurz bevor er gestorben war. Krebs. Er war immer ein starker, großer Mann gewesen, damals war er es nicht mehr. Nur noch klein und dünn, ohne Lebensfreude. Ihr kamen Tränen, unaufhaltsam. Sie erinnerte sich an das Lied, was er so gern mit ihr gesungen hatte. Nur dieses eine, er hatte es immer gern gesungen. So ein ganz alter Schinken von Johnny Cash. Schelmish hatte das Lied auch mal gespielt. Jana mochte es eigentlich gar nicht. Aber in diesem Moment, dachte sie daran wie ihr Papa im Garten gesessen hatte und dieses Lied gesummt hatte. Love is a burning thing and it makes a firy ring Born by a wild desire I fell into a burning ring of fire I went down, down and the flames went higher and it burns, burns the ring of fire. The Taste of love is sweet when hearts like ours meet I felt for your like a child Oh Butterfly but wild... Janas Papa hatte eine schöne Stimme gehabt, ganz weich und ruhig. Ein kleinwenig wie ein Opernsänger, fand Jana. Komisch, dass ihr diese Gedanken ausgerechnet jetzt kamen. Schien es doch der unpassendste Moment der Geschichte zu sein. Tränen rannen über Ihr blutiges Gesicht, es hatte sich ebenfalls an der steinigen wand aufgekratzt, zogen eine rote Blutspur hinter sich her. Sie merkte nicht wie in dieser Dunkelheit die Zeit verging. Saß einfach nur, da starr und still. Ihre Haut war kalt, fast schon eingefroren. Das Schreien hatte sie aufgegeben, sie hatte gemerkt, dass niemand kommen würde um sie zu retten, das war auch hier gar nicht möglich. wahrscheinlich konnte sie so viel schreien wie sie wollte, hier würde sie niemand finden. An ihrem Inneren Auge zog schon janas ganzes Leben vorüber, sie hatte viel erlebt, so wohl negatives als auch positives. Panik drohte plötzlich in ihr auf zu steigen, wie eine Orkan aus dem Nichts emporwachsen und auch genau so wieder verschwinden. Um sich zu beruhigen, begann sie zu singen... And it burns burns burns a ring of fire, a ring of fire. Ganz so wie sie es früher immer getan hatte, wenn sie in Räumen war, die verdunkelt gewesen waren. Das Lied hatte ihr immer Schutz geboten, ihr Schutzlied. Dabei wusste Jana nicht einmal warum, das ihr Schutzlied war. Vielleicht hatte sie ihren Dad als ihren Schutzengel angesehen... Oh Jana, wusste es wirklich nicht. Sie konnte nur raten... Wieder schlossen sich ihre Augen, nicht einschlafen, Jana. Das kann den Tod bedeuten. Na und wenn schon? Was habe ich denn von diesem Leben. Marion ist weg und Elli hat mich betrogen, Mark auch.. Mark... Seine samtweichen augen, die grutale ruhige Stimme, die sie im Krankenhaus beruhigt hatte. Er hatte das alles nur getan, weil man ihn auf sie angesetzt hatte, wenn man Elli glaubte. Die Polizei musste also tatsächlich glauben, dass sie die Mörderin war.. Und Mark hatte ihr Vertrauen schamlos ausgenutzt, dennoch sie mochte ihn immer noch. Irgendetwas tief drinnen sagte ihr, dass er es ernst gemeint hatte. Nicht weil es sein Job war, nein, weil er sie wirklich sehr mochte. Jana fror immer mehr, ihr schien es als tropften von ihrer Nase dicke Tränen, die sich dann in Eis verwandelte. Um sie herum war es dabei gar nicht so kalt, Jana war von innen kalt.Sie misste jemanden, der sie wärmte von innen wie von außen. Marion... Dieses Lachen, dieses fröhliche Lachen, welches Marion immer gehabt hatte. Es hatte sie immer gewärmt von Innen heraus, tief aus ihrem Herzen hatte Marion Schönheit und Frohsinn ausgestrahlt.. Jetzt strahlte sie nur noch Kälte aus. Tote lachen nicht. Tote weinen nicht. Tote schwitzen nicht. Tote frieren nicht. Jana glaubte, dass Marion lieber gefroren hätte als zu sterben, sie hatte doch Pyschologin werden wollen, weil sie es nicht mochte, wenn Menschen traurig waren. Oh Marion, du wärst eine wunderbare Psychologin geworden. Ich muss hier raus, sagte Jana sich, aber wie? Wie kam sie hier heraus? Sie tastete in ihrer Tasche nach einem Handy, aber sie fand ihres nicht. Kein Wunder, sie hatte es ja auch zu Hause liegen gelassen, als sie im Krankenhaus war, hatte sie ja auch keins gehabt. Die Luft in dem Raum war stickig modrig, alt. Es roch als wären tausende Ratten hier gewesen, die sich auch irgendwo in einer Ecke verkrochen. ihr Kopf knallte gegen die Wand, der Schmerz, der dabei ausgelöst wurde, war für Jana nicht mehr spürbar. Sie fühlte nur eine Wärme in sich hochsteigen, dann schlief sie ein.. Tote schlafen. Lebendige auch. *+* "Verdammt, Jungs. Jana Meisner ist entführt worden!" Die Männer, die um den dicken Kommissar standen, machten ein entsetztes Gesicht. "Herr Winterhog hat es mir gerade mitgeteilt. Er war in ihrem Haus, die Tür stand sperrangelweit offen. Nach seinen Angaben sieht alles nach einer Entführung aus." "Das muss heißen, dass Jana Meisner unschuldig ist!" "Nicht unbedingt, es kann auch an ein Racheakt sein." "Davon würde ich hier aber nicht ausgehen", mischte sich ein Junger Polizist ein. "Möglich ist alles." "Wenn Jana Meisner unschuldig ist, dann haben wir komplett in die falsche Richtung ermittelt." "Ach, echt?" "Vielen Dank für diesen Fund, Herr kollege." Die Stimmung in dem kleinen Kommissariat war gereitz, keine gute Arbeitsathmosphäre, dennoch die Angespanntheit war zum Greifen nahe. Fand man Jana Meisner nicht früh genug, konnte es einen weiteren Toten im Verlauf dieses Falles geben. Das wollte die gesamte Mordkommission verhindern. Erst jetzt tauchte Mark auf. Die Tür wurde aufgerissen und er sprang hinein. "Wir müssen sie suchen. Was wenn die Zeit uns davon eilen?" Er hatte das ausgesprochen, was sie alle dachten! "Mark, wir sind dabei. Wir werden sie schon finden." "Ja, verdammt, dann beeilt euch. Sie ist doch gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen. " "Mark, bitte." "Ja,Ja. " Dirket steuerte er auf den Schreibtisch zu, der in einer Ecke stand und vollbepackt war, er musste die Zettel alle noch abarbeiten. Darum machte er sich jetzt allerdings keine Gedanken, er telefonierte herum. "Elli Stone geht nicht dran. Wir sollten mal hinfahren und gucken." "Was willst du bei dieser Tante machne?!" "Vielleicht weiß sie ja irgendwas. Schließlich waren sie doch eng befreundet." "Das ist eine Vermutung nicht mehr, wir fahren da nicht hin, du auch nicht!" "Wir müssen doch irgendwas machen." Der dicke Kommissar, der Janzik hieß, stand hinter Mark. "Wir führen die Ermittlungen durch, du bist nur der Hintermann, der sich um die Psychologischen Feinheiten kümmert. Also halt dich da raus. Kriminalpsychologen sind dafür nicht da." Der strenge Blick des Beamten war fast tödlich, Mark wusste, dass er jetzt besser nichts mehr sagen sollte, dennoch, er riskierte es. "Ich kann aber hier doch nicht rumsitzen, wenn Jana irgendwo liegt." "Mark, bitte. Ich verstehe ja, dass du nervös und ängstlich bist, du bist Kriminalpsychologe, du musst hier nicht rumsitzen, du kannst auch zu dir nach hause gehen, es ist egal. Aber du musst mir versprechen, dass du niemanden hier behinderst. Ich weiß wie hart das ist." Mark brummte etwas vor sich hin und beugte sich über seine Papiere, auf die er sich nicht wirklich konzentrieren konnte, sodass er irgendeinen Mist hereingeschrieben hatte, er merkte es nicht mal mehr. Jedes Mal setzte er seine Unterschrift drunter. Vermutlich würde er sowieso alles noch einmal von vorne bearbeiten müssen. "Chef", die Stimmen drangen von hinten an sein Ohr. " wir haben die Stone herbestellt. Sie kommt gleich. Es besteht dringender Tatverdacht. Wir haben Fingerabdrücke von ihr auf dem Tuch mit dem Marion bedeckt gewesen ist, gefunden. Die haben wir beim ersten Mal übersehen. das heißt die Proben wurden im Labor verwechselt...." "Das kann doch nicht wahr sein!" Der Kopf von Janzik war puterrot, die Wut, die sich in ihm aufwallte, ließ er mit einem Schlag auf den Schreibtisch, der gerade neben ihm stand, freien Lauf. "Was seid ihr doch allesamt für Vollidioten?!" Die Tür ging auf und Elli Stone stand in der geöffneten Tür. "Ich dachte man wolle mich hier befragen, stattdessen wir hier herumgebrüllt. Muss ich meine Zeit hier weiter vergeuden?" "Wenn sie bitte mitkommen würde, Frau Stone." Die beiden dickbäuchigen Polizeibeamten führten sie in das selbe Verhörungszimmer in dem auch Jana gesessen hatte. Nur, dass sie unschuldig dort gesessen hatte. "Frau Stone, wir wollen sofort zum punkt kommen. Sie sind der Piekbubenmörder, der Marion umgebracht hat und sie haben auch Jana Meisner entführt." "Ich werde es nicht leugnen, ich kann es nicht leugnen. Ja, ich war es." Sie war ganz anders als Jana , kühler, ruhiger. Einfach abgebrühter. Jana schien emotionaler, wirklich liebend Und sie waren dafür blind gewesen, jetzt fiel es den dicken Kommissaren wie Schuppen von den Augen. "Verraten sie uns auch, wo die junge Frau nun ist?" "Nein, das dürfen sie schon selber machen. Ich bin ja nicht ihr Wegweiser zu Jana. Sie können ja diesen Mark los schicken, der erschnüffelt sie doch bestimmt aus zwanzig Kilometerentfernung." Die Polizisten sahen sich an. So wie Die Stone das vortrug, bestand kein Zweifel darin, dass sie sich zu diesen Dingen nicht äußern würde. Man hatte kaum noch Zeit, wenn man keine gesundheitlichen Schäden bei Jana riskieren wollte, so musste man schnell handeln. Einer der Männer, Janzik, verschwand aus dem Raum. "Großraumsuche. Alle stillgelegten Industriegebiete in der Umgebung." "Es gibt nur eins, in der Innenstadt ein paar stillgelegte Häuser, die nicht mehr bewohnt sind." "Durchsucht es, verdammt! Wir müssen uns beeilen, Frau Meisner kann in ihrem jetztigen gesundheitlich labilem Zustand schwere Krankheiten einhandeln. Wir haben keine Zeit mehr, die Stone zu befragen, die müssen wir laufen lassen. Vielleicht können wir so das Gebiet ausfindig machen, indem sie Jana festhält." Jetzt stößt auch der Zweite zur "Besprechung". "Hoffentlich geht dein Plan auf, Janzik. Es sind zwei von unseren Leuten an ihr dran. Sie ist nicht ins Industriegebiet gefahren, sondern zu sich nach Hause." "Wir suchen jetzt. Erst alleine, das heißt die ganze Komission. Wenn wir nichts finden, müssen wir uns noch mal mit der Stone unterhalten." Die Komission brach auf in Richtung des alten Industriegeländes, sie brauchten knapp 13 Minuten um dort einzutreffen. "Los sucht das Gelände ab." Die Mannen stürmten los, es galt, keine Zeit zu verlieren. Jana war in Gefahr. Mark und Janzik suchten zusammen, sie gingen in das Gebäude. Einsturzgefahr stand auf einem Schild mit rotem Blitz. Janzik drückte Mark eine Taschenlampe in die Hand, das grelle Licht fiel durch den dunkeln Schacht, durch den sie gingen. Immer geradeaus ohne zu denken, einfach stupide. Es rumpelte hinter ihnen, eine Röhre fiel zu Boden. "Einsturzgefahr ist noch geschmeichelt." "Ohja." Mark zitterte am ganzen Körper, wo war Jana? Sie brauchte ihn jetzt! Sein Körper fühlte sich taub an, zitternd und unwissend, wo er hinging. Er wollte Jana jetzt in den Arm nehmen und für sie da sein. "Hier ist nichts, Mark." "Hier muss etwas sein. Jana muss hier sein." Ganz hart klang seine Stimme jetzt. Die langen, schwarzen Haare fielen ihm in die Augen, man konnte ihn kaum in der Dunkelheit erkennen. Die schwarze Kleidung ließ ihn in der Dunkelheit verschwinden. "Verstehen? Sie muss hier sein !!" Mark rannte weiter, er musste Jana finden. Musste einfach. Hier war niemand, niemand, der rufen konnte. In seiner Verzweifelung schlug er gegen jede Tür, gehetzt lief er weiter. Niemand. Dann lief er zurück. Janzik hinter drei _________________ Der Verstand läuft den Menschen hinterher , vergeblich , sie sind zu schnell für ihn ;) [ Kommentar abgeben ] Seite 1 von 1 |