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Die Wasserfei

Ingo Laabs (Autor) – BeitragVerfasst am: 11.01.2009, 16:00 – Die Wasserfei
Hörst du´s um die stillen Wehlen (1)
wispern auf gar sanfte Weis?
Will da was im Ried sich hehlen,
wallen durch die Gräser leis?

Oh, ein namenloses Grauen
lässt dir, Hirte, keine Ruh,
kannst den Augen kaum noch trauen -
kommt es näher, auf dich zu?

Deine Tiere zagen, bangen,
stehen furchtsam beieinand´,
und du fühlst an Hals und Wangen
eine unsichtbare Hand.

„Ach, mein schöner Jüngling, teile
doch der Liebe Statt mit mir,
und in meinem Reiche weile,
dorten wohl behagt es dir!“

Wehe, armer Tor, so fliehe,
denk an Liebchen, Heim und Herd!
In der Wehlen Urgrund, siehe,
etwas im Verborgnen gärt!

„Komm zu mir, oh, sei nicht zage,
führe mich an starkem Arm,
bist du, Liebster, ohne Frage,
doch mein rechter Bräutigam!“

Und die wilden Wasser wallen,
werden dir zum Wehgeschick,
du betrittst die dunklen Hallen
und kein Weg führt mehr zurück.

Morgen wird man dich hier finden,
deine Augen weit und starr
von vergangnen Schrecken künden –
Entenflott durchwirkt dein Haar.



(1) Wehle = durch einen Deichbruch entstandene Vertiefung im Boden, in der sich Wasser sammelt
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