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Meinert und die Meerjungfrau Mainert war ein stolzer gutaussehender junger Steuermann von der Insel Sylt. Er unternahm weite Reisen rund um die ganze Welt. Einmal segelte sein Schiff die Ostküste von Südamerika entlang. Es war kein Segelwetter, Flaute herrschte. Jedes Segel war gesetzt, aber das Schiff machte keine Fahrt. Mainert mußte den Mann, der an der Ruderpinne stand, anstupsen, damit er nicht einnickte. Es war so warm, daß man es gar nicht aushalten konnte. Weit in der Ferne auf der Backbordseite konnte man die Küste mit den nackten Bergen sehen. Mainert ging nach vorn und stellte sich am Steven hin um zu sehen, warum das Schiff so langsame Fahrt machte. Als er so über Bord spähte, meinte er, daß er seinen Augen knapp traute; da lachte ihn aus dem Wasser ein hübsches Gesicht an – eine Meerjungfrau, so wie er es aus Erzählungen kannte. Aber gesehen hat er so eine noch nie. Nun schwamm eine nahe unter ihm hin und winkte ihm zu. „Kom doch herunter zu mir!“ rief sie, „hier bei uns ist es viel schöner und nicht so warm wie auf deinem Schiff, komm herunter! Ich wohne hier in einem silbernen Schloß. Hier kannst du alles bekommen, was du dir wünschst; komm herunter zu mir, du gefällst mir, ich will dich haben.“ Mainert wurde ganz schwummerig, am liebsten wäre er über Bord zu ihr gesprungen, aber ein Gefühl warnte ihn: „Tu's nicht, sonst bist du für alle Ewigkeit verloren.“ Er rief ihr zu: „Komm du doch zu mir hinauf, kannst mir hier die Zeit vertreiben!“ „Nein! An Bord ist es mir zu warm, dort kann ich nicht atmen! Aber, wenn du nicht kommen willst, hole ich dich, sollst mal sehen!“ Mit diesen Worten verschwand sie, und dann war auch nichts mehr von ihr zu sehen. Mainert rief erneut, aber er bekam keine Antwort. Als er sich umdrehte, sah er von der Küste zwei große Wolken, die schnell näher kamen. Er pfiff die Mannschaft auf Deck und schickte einen hinauf in den Mast, um die Segel zu bergen. Der Kapitän kam auch gerade von seinem Mittagsschlaf und meinte: „Das wird Sturm geben, wenn wir nur heil davon kommen!“ Da heulte schon der Sturm in der Takelage. Das letzte Segel konnte nicht mehr geborgen werden; das wurde den Matrosen aus den Händen gerissen und verloren ging. Die Sonne verschwand; es wurde dunkler und dunkler, die rauhe See warf das Schiff hin und her. - „Gott, steh' uns bei!“ rief der Kapitän. Dann hörte man schon ein höllisches Spektakel; die Schiffsbesatzung rang um ihren Atem. Und unter ihren Füßen brodelte das Meer. Alles wurde zerschlagen. Man hörte Schreie, man hörte Donner. Und vorbei war es mit Schiff und Besatzung! Mainert kam zu sich, als er vom Meer nach unten gezogen wurde, und – was entdeckte er – da war die kleine Meerjungfrau an seiner Seite und griff nach seiner Hand. “Nun kommst du mit mir!“ sagte sie. Aber Meinert wollte nicht. - Er stieß sie zurück und schwamm weg und sie hinterher. Als Meinert mit seinem Kopf die Wasseroberfläche durchstieß, stellte er fest, daß der Sturm sich gelegt hatte. In seiner Nähe trieb eine große Schiffsplanke, die er glücklich erreichen konnte. Die Meerjungfrau war in seiner Nähe. “Oh. Mainert“, sagte sie mit Tränen in ihren Augen, „jetzt, wo du die Planke erreicht hast, habe ich keine Macht mehr über dich, - was bist du auch dumm! Aber ich hole dich doch noch, darauf kannst du dich verlassen. Bis dahin – leb wohl!“ Und sie verschwand. In der Nähe von Mainert trieben zwei von seinen Schiffsleuten, die sich auch an Planken festgehalten hatten. Nun wollten sie alle drei versuchen, an Land zu schwimmen, das gar nicht so weit weg war. Und doch hätten sie wohl nie mehr das Land zu sehen bekommen, wenn sie nicht von einem Fischerboot gerettet worden wären. So sind sie zumindest mit ihrem Leben davongekommen. Als ein Schiff nach Deutschland ablegte, segelte Mainert mit, um so schnell wie möglich nach Hause auf die Insel Sylt zu kommen. Was waren seine Eltern glücklich, als er kam! Sie waren schon lange um ihn gesorgt, weil sie so lange keine Nachricht von ihm bekommen hatten Während der Zeit, die Mainert zu hause war, war Markt in Wyk auf Föhr. Ein Bruder von Mainert war auch gerade von einer Reise zurückgekommen. Weil junge Seeleute gerne etwas erleben wollen, beschlossen die beiden, nach Föhr zu segeln. Mit dem Schiff von ihrem Vater machten sie sich auf den Weg. Als sie in Wyk ankamen, lagen im Hafen schon einige Schiffe von den Inseln und Halligen. Die beiden Brüder zogen ihr bestes Zeug an und gingen los, um ordentlich etwas zu erleben. Dort war schon eine große Menschenmenge. Die beiden Seeleute wollten tanzen, und dort, wo es am lautesten war, blieben sie. Fast alle Mädchen hatten ihre hübsche Tracht angezogen, und sein Bruder tanzte mit jedem Mädchen, die er leiden mochte. Als die Musik wieder einen neuen Tanz spielte, stand vor Mainert ein bildhübsches Mädchen und sah ihn an, daß es ihm durch und durch ging. Er fragte sie, ob er mit ihr tanzen durfte. Tanzen konnte dieses Mädchen besser als alle anderen. Mainert ließ es nicht zu, daß ein anderer Mann mit ihr tanzte und er ließ sie nicht aus den Augen. Er fragte: „Wer bist du? Es kommt mir so vor, als wenn ich dich schon lange kenne. Haben wir uns nicht schon mal gesehen?” Sie antwortete: „Ich bin Silke und komme von den Halligen. Ich freue mich, daß du mich wieder erkennst. Wir haben uns schon mal getroffen, und ich bin froh, daß ich dir bekannt vorkomme. Aber wo es war und wann es war, das sage ich dir nicht. Darauf mußt du schon selber kommen. Und dann war das Mädchen in der Menge verschwunden. Mainert suchte sie die ganze Nacht bis zum nächsten Morgen, aber er fand sie nicht. Niemand hatte sie gesehen. Niedergeschlagen segelte er mit seinem Bruder nach Hause. Aber auch auf Sylt fand er keine Ruhe. Seine Gedanken waren bloß bei Silke und was er tun könnte, sie wieder zu finden. Zuletzt überredete er seinen Bruder, daß er mit ihm zu den Halligen segelte, um Silke zu suchen. Eine Woche waren di beiden unterwegs von Hallig zu Hallig, und dort liefen sie von Haus zu Haus. Aber niemand kannte das Mädchen Silke, niemand hatte sie gesehen. Die letzte Nacht lagen sie vor Ohland mit ihrem Schiff. Dort träumte Mainert von Silke – aber nein, es war nicht Silke – es war die Meerjungfrau. Nun wußte Mainert Bescheid. Er weckte seinen Bruder und sagte: „Komm, wir segeln nach Hause. Wir finden sie hier doch nicht, es hat keinen Sinn mehr zu suchen.” Auf der nächsten Reise bekam Mainert als Kapitän ein eigenes neues Schiff. Seine Reise ging wieder nach Südamerika. Als das Schiff vor der Küste an der Stelle ankam, wo sie das vorherige Schiff verloren hatten, war das Wetter wieder so schön, es wehte kein Wind und das Wasser war warm, daß die Luft flimmerte. Mainert ging wieder nach vorne zum Steven und sah über Bord. Da war sie nun wieder, seine Silke. Und sie breitete beide Arme nach ihm aus. Nun überlegte er nicht lange, er sprang über Bord. Niemand hat es gesehen, und er kam niemehr wieder. [ Kommentar abgeben ] Seite 1 von 1 |