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1000 Jahre

Daniel_Lohmeyer (Gast) – BeitragVerfasst am: 11.01.2007, 15:18 – 1000 Jahre
Teil 1

Tag 1 – Die Entstehung

Ein Mann und eine Frau lagen im Bett. Es war dunkel. Beide stöhnten vor Lust. Nach einigen Minuten der Leidenschaft rollte sich der Mann von seiner Frau und blieb schnaufend neben ihr liegen.

"Bist Du Dir sicher?" fragte sie etwas zögernd.
"Es wird uns beide reich machen" gab er als Antwort zurück und schloss die Augen.
"Ich habe trotzdem Bedenken." sagte sie, stand auf, und stellte sich ans Fenster.
"Wir haben das lang und breit diskutiert Mandy. Jetzt gibt es kein Zurück mehr" antwortete er.
"Ich weiß Thomas. Trotzdem ist mir nicht wohl dabei."

Es folgte keine Antwort. Thomas war eingeschlafen. Sie selbst schaute auf ihren Bauch hinab und streichelte ihn sanft. Natürlich konnte sie jetzt noch nicht sagen, dass sie schwanger war, aber das Gefühl ein Kind zu gebären und sofort wieder zu verlieren machte ihr Sorgen. Nach mehreren Minuten des trüben Nachdenkens entschloss sie sich, wieder zu Bett zu gehen. Seufzend legte sie sich neben ihren Mann und schloss die Augen. Kaum war sie eingeschlafen, als vor ihren Augen das Bild eines jungen Mannes entstand. Er stand an der Spitze einer Nation und führte Truppen in den Krieg. Die Soldaten trugen Uniformen die sie nie zuvor gesehen hatte. Ungewollt begann sie zu stöhnen denn der Traum entwickelte sich zum Alptraum der mit dem Tod des Mannes endete. Erschrocken und schweißgebadet fuhr sie hoch. Hell und freundlich strahlend brachen sich die Sonnenstrahlen im Fenster und erwärmten das Zimmer. Sie schaute zu ihrem Mann und spürte Zorn in ihrem Inneren emporsteigen. Sie lagt neben einem Mann, der einen Vertrag unterschrieben hatte der sie dazu verdammte ihr Kind nach der Geburt abzugeben und es dann nie wieder zu sehen. Zitternd stand sie auf und ging in die Küche um etwas zu trinken. Während sie ihren Orangensaft trank kehrte die Erinnerung an das Gespräch mit ihrem Mann vor drei Wochen zurück.

"Du wolltest doch nie ein Kind." hatte sie gesagt.
"Ich weiß. Aber dieses Kind wird uns reich machen." hatte er geantwortet und ihr den Vertrag in die Hand gedrückt.
"Zehn Millionen?" hatte sie keuchend hervorgebracht.
"Und Du musst es nur neun Monate ertragen, danach haben wir ausgesorgt." sagte er grinsend, nahm sie in den Arm und strich ihr durch das dunkelblonde lange Haar.

Der Gedanke war einzigartig. Neun Monate und dann nie wieder etwas tun. Sie hatte zugestimmt: Aus purer Geldgier. Aber jetzt kamen ihr Bedenken. Durfte man mit dem Leben so spielen? Am liebsten würde sie alles rückgängig machen. Sie hätte den Vertrag zerreißen sollen. Aber es war zu spät: Die Sache war besiegelt und sollte ihren Lauf nehmen...

*

Zur selben Zeit saß ein Mann in seinem Büro und studierte einen Bericht. Als er fertig war strich er mit seinen langen knochigen Fingern über den leicht ergrauten Schnurbart der sein Oberlippe zierte und setzte die Brille ab. Sein Gesicht strahlte Zufriedenheit aus. Alles lief wie geplant. Nur noch neun Monate. Dann konnten die ersten Tests beginnen. Er wusste nicht wie das Ergebnis aussehen würde, aber er sah positiv in die Zukunft. Das Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen Gedanken.

"Dr. Gearing" raunte er etwas verstimmt in den Hörer. Er mochte es nicht wenn man ihn bei der Arbeit störte.
"Morgen John. Wie läuft es?" fragte eine ältere leise Stimme.
"Wunderbar, Sir. Soeben habe ich den Bericht gelesen. Es sieht sehr gut aus. Jetzt müssen wir nur noch warten bis der Zeitpunkt da ist.
"Meinen Sie es gibt irgendwelche Schwierigkeiten?"
"Glaube ich nicht. Das Ehepaar hat sich einverstanden erklärt. Und die ärztlichen Untersuchungen haben ergeben, dass beide kerngesund sind. Besseres Gen-Material konnten wir uns gar nicht suchen."
"Das hört sich gut an John. Aber seien Sie trotzdem vorsichtig. Ich möchte, dass alles ohne Komplikationen abläuft. Haben wir uns da verstanden?"
"Voll und ganz, Sir."
"Dann ist ja alles gut. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, John."

Damit war das Gespräch beendet. Gearing stand auf und streifte sich seinen weißen Kittel über. Er hatte noch einige Sachen im Labor zu erledigen. Kontrollgruppe A und B mussten noch überprüft werden.

"Mal sehen ob unser kleines Wundermittel wirkt:" murmelte er und verließ sein Büro im Cybercorps Unlimited Komplex.


Tag 53 – Das Verhör (8:50 Uhr)

Sie kam gerade vom Frauenarzt. Wortlos drückte sie ihrem Mann die Bescheinigung, die ihre Schwangerschaft bestätigte in die Hand. Weinend ließ sie sich auf einen der Küchenstühle nieder.

"Warum weinst du Schatz?" fragte ihr Mann und nippte an seinem Kaffee als er die Bescheinigung studierte.
"Ich spüre wie es sich bewegt" gab sie zurück und schnäuzte sich die Nase.
"Na und? Das ist doch normal" Gleichgültigkeit schwang in seiner Stimme mit.
"Ja ist es! Aber wie kann ich mich freuen wenn ich weiß, dass ich es nicht behalten darf?!" ihre Stimme zitterte vor Wut. Langsam stellte er die Kaffeetasse ab und schaute sie an.
"Kann es sein, dass Du sauer bist? Wir hatten uns geeinigt und jetzt sag nicht, dass das Geld, das sie uns geboten haben, Dich nicht auch überzeugt hat."
"Kein Geld der Welt kann mir das geben was ich jetzt in meinem Bauch spüre." gab sie schreiend zurück.
"Schatz! Jetzt beruhige..."
Das Klingeln des Telefons unterbrach ihn. Gestikulierend ging er ins Wohnzimmer und hob ab.
"Clark!" dröhnte er in den Hörer.
"Mr. Clark? Cybercorps Unlimited. Bringen Sie ihre Frau um 10:00 Uhr zu einer Besprechung in unseren Komplex. Danke für Ihre Kooperationsbereitschaft."
"Hallo! Ich verlange zu wissen warum?"
Die Verbindung verstummte. Verwirrt legte er auf und ging in die Küche. Als er auf die Uhr schaute erschrak er: 9:15 Uhr.
"Mandy. Schatz. Zieh Dir schnell was an. Wir müssen zu einer Besprechung bei Cybercorps."
"Wieso?"
"Weiß ich nicht. Wir sollen um 10:00 Uhr da sein. Beeil Dich!"
"Ich will aber nicht." gab sie zornig zurück.
"Los jetzt!" brüllte er und griff nach dem Autoschlüssel der auf dem Küchentisch lag.

Um einen weiteren Streit zu vermeiden entschloss sich Mandy doch hinzugehen. Sie würde den Leuten von Cybercorps sagen, dass sie nicht wollte.. Und damit Basta!


Tag 53 – Das Verhör (10:05 Uhr)

Schlitternd kommt der Audi von Thomas Clark vor einem massiven Eisentor zum stehen. Ein Mann in blauer Uniform trat aus seinem Pförtnerhäuschen und nähert sich dem Auto.

"Guten Morgen. Clark ist mein Name. Wir haben um 10:00 Uhr einen Termin."
Wortlos blickte der Uniformierte auf seine Uhr.
"Sie sind zu spät. Beilen Sie sich." bellte er plötzlich.
Thomas schrak zurück.
"Tut mir leid. Wir..." begann er.
"Los jetzt!" schrie der Uniformierte.

Mit diesen Worten verschwand er wieder in seinem Häuschen. Kurz darauf öffnete sich das schwere eiserne Tor. Thomas beschleunigte und fuhr die lange Auffahrt zum Gebäudekomplex hoch.

"Schatz? Ich habe Angst." flüsterte Mandy und blickte auf das große Gebäude, das bedrohlich vor ihnen lag.
"Keine Sorge mein Engel. Es ist bestimmt reine Routine." antwortete er besänftigend


Er lenkte den Wagen auf einen Parkplatz nahe des Eingangs. Er stieg aus und ging auf den Eingang zu. Mandy folgte ihm unsicher. An der Eingangstüre angekommen, betraten beide das Gebäude. Eine weibliche Computerstimme ertönte.
"Willkommen bei Cybercorps Unlimited. Wir schreiben die Zukunft."
Thomas schüttelte den Kopf und lächelte. Ihre Schritte hallten über den gefliesten Boden. Ein Mann in einem weißen Kittel kam ihnen entgegen.

"Guten Morgen. Ich bin Mr. Clark und das ist meine Frau Mandy."
Er streckte dem Weißkittel die Hand hin. Dieser schaute von seinem Block auf.
"Sie sind 15 Minuten zu spät. Bitte folgen Sie mir." sagte er.

Dann ging er mit schnellen Schritten davon. Die Clarks folgten ihm einfach. Zum ersten Mal seit dem ersten Gespräch mit einem Mitarbeiter von Cybercorps Unlimited kamen Thomas Clark Bedenken.

"Mandy?"
"Ja?"
"Meinst Du wir können aus dem Vertrag noch aussteigen?"
"Ich weiß es nicht. Willst du nicht mehr?"
"Nicht wirklich. Irgendwie kommen mir die Leute hier komisch vor."
"Mir auch. Beim Gespräch werden wir ihn oder sie mal darauf ansprechen."
"Okay. Mach Dir keine Sorgen Schatz. Ich bin bei Dir." sagte Thomas beruhigend. Der Weißkittel bleibt vor einer Tür stehen.
"Mrs. Clark? Hier herein, bitte."

Mandy betrat den Raum. Als Thomas ihr folgen wollte, hielt ihn der Mann ihn zurück.

"Sie nicht! Sie nehmen nebenan Platz."
"Warum?"
"Fragen Sie nicht. So sind die Vorschriften."
"Ich scheiße auf Ihre..."
"Und ich auf Sie. Entweder Sie nehmen nebenan Platz oder ich lasse Sie aus diesem Gebäude entfernen."

Mandy verfolgt die Szene mit einem ungläubigen Blick. Abwehrend hob Thomas die Hände, ging zur nächsten Tür und betrat den Raum. Automatisch schloss und verriegelte sich die Tür. Der Mann im weißen Kittel betrat den Raum, wo eine verängstigte Mandy auf ihn wartete.

"Mrs. Clark? Ich bin Dr. John Gearing."
"Mandy Clark. Warum darf mein Mann nicht dabei sein?"
"Er ist nicht wichtig für dieses Gespräch." antwortete Gearing trocken und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. Mandy setzte sich ebenfalls auf einen der freien Stühle
"Ich finde schon. Es ist mein und sein Kind."
"Falsch Mrs. Clark. Es ist unser Kind. Sie kennen den Vertrag."
"Der Vertrag ist mir egal. Genauso wie Ihr Geld. Ich will mein Kind behalten."
"Das geht nicht." sagte er leicht gereizt.
"Und ob das geht. Holen Sie meinen Mann! Ich möchte gehen!" Mit diesen Worten erhebt sich Mandy und ging auf die Tür zu.
"Nein!" schrie Gearing und drückte einen Knopf. Ein schriller Alarm ertönte im Gebäude. Mandy bleibt erschrocken stehen und drehte sich zu Gearing um. Vom Flur her ertönten Schritte.
"Was soll das Doktor?" schluchzte Mandy und wich zurück als Gearing hinter seinem Schreibtisch hervorkam und eine Spritze aus einer Tasche seines Kittels holte.
"Sie bleiben hier! Oder besser gesagt ihr Bableibt!" schrie Gearing und kam näher. Mandy drehte sich um und rannte in Richtung Tür. Sie war schon auf dem Flur als zwei kräftige behaarte Arme sie packten.
"Schön hier bleiben." sagte eine ihr unbekannte Stimme.
"Lassen Sie mich los!" kreischte Mandy und versuchte sich zu befreien.
"Es hätte alles so schön sein können." erklang Gearings Stimme hinter ihr.

Gearing stand jetzt genau hinter ihr. Der zweite Pfleger kam hinzu und riss, nach einem kurzen Nicken von Gearing, Mandy den Kopf zurück. Gearing setzte die Spritze an. Sie spürte nur ein leichtes Pieksen als die Spritze in ihren Hals eindrang. Dann den unangenehmen Druck als die Flüssigkeit aus der Spritze in ihren Körper floss. Mit dem letzten aufbäumen der Verzweiflung riss sich Mandy los und rannte in Richtung Ausgang.
"Gleich habe ich es geschafft." dachte Mandy und rannte schneller. Die Flüssigkeit breitete sich in ihrem Körper aus. Ihr wurde Schwindelig – der Flur und die Türe verschwammen vor ihren Augen. Mit einem Stöhnen viel sie zu Boden als das linke Bein wegknickte. Sie konnte es nicht mehr bewegen.
"Weiter. Du musst weg hier." schrie sie innerlich und kroch so schnell sie konnte. Ein Krampf entstand in ihrem linken Arm und pflanzte sich bis zu ihrem Herzen fort. Röchelnd holte sie Luft. Der Krampf entwickelte sich in schiere Qual als er das Herz erreicht hatte. Vor ihren Augen wurde es schwarz und Ruhe überkam sie. Ein oder zweimal holte sie noch röchelnd Luft. Dann endlose Stille. Mandy Clark war tot. Die drei Männer näherten sich ihr.

"Was soll jetzt aus ihr werden? Vergessen Sie ihren Mann nicht." gab der Eine zu bedenken. Gearing schaut ihn kurz an.
"Entfernen Sie das Baund legen Sie es in den Brüter. Ihm darf nichts geschehen. Es ist zu wichtig. Töten Sie den Ehemann und verbrennen Sie die Leichen in unserem Ofen. Tony soll den Wagen zum Schrottplatz bringen und beseitigen.
"Aber..:"
"Tun Sie was ich ihnen sage!" schrie Gearing. Der Pfleger verstummte sofort als er den Wahn in den klaren eisblauen Augen des Doktors sah und nickte. Er beugte sich zu der toten Frau runter und packte ihre Arme und zog sie zum Aufzug der ins Labor führte. Gearing schaute noch eine Weile zu und ging dann zu seinem Büro zurück. Der andere Pfleger holte eine Spritze, identisch mit Gearings, aus einer Tasche seines Kittels und begab sich zu dem Raum wo Thomas Clark hineingegangen war.

Mit seiner Codekarte entriegelte er die Tür und betrat den Raum...



Teil 2

Tag 53 – Die Flucht

Thomas Clark saß in dem steril gehaltenem Raum und schaut aus dem Fenster. Draußen war der Parkplatz, die Auffahrt und ein riesiger Kiefernwald der sich endlos in die Ferne erstreckte zu sehen.
"Wie lange dauert das denn?" fragte er sich im Stillen und fuhr sich nervös mit einer Hand durch das kurze schwarze Haar.
"Jetzt eine Zigarette." dachte er und nestelte schon an der Brusttasche seines Hemdes als er inne hielt. Mandy würde ihn umbringen wenn er sich jetzt eine ansteckte – er wollte schon seit Jahren aufhören.

Um die Zeit etwas zu verkürzen nahm er sich einer der Zeitschriften die zahlreich auf einem kleinen Tisch auslagen. Angewidert verzog er das Gesicht als er den Titel las. In großen Lettern stand auf dem Titelblatt "Klonen und züchten von Menschen bald möglich?". Ohne sich den Artikel näher anzuschauen legte er die Zeitschrift weg und ergriff die nächste. Deren Titel lautete "Genforschung und dann?". Da Thomas nichts besseres zu tun hatte las er den Artikel. Viel konnte er mit dem Thema nicht anfangen. Es ging um ein sogenanntes Todesgen, soviel begriff er. Als hinter ihm ein Klicken ertönte fuhr er erschrocken hoch. Über der Tür leuchtete ein grünes Licht.

"War die Tür abgeschlossen?" fragte er sich insgeheim, legte die Zeitschrift weg und stand auf. Mit einem kaum hörbarem Zischen glitt die Tür zur Seite und ein Mann in einem weißen Kittel gekleidet betrat den Raum.
"Wo ist meine Frau?" fragte Thomas und ging einige Schritte zurück. Etwas war im nicht geheuer.
"Nicht mehr hier. Und Sie werden ihr gleich folgen." gab der Mann trocken zurück und kam näher. Thomas spürte die Kalte nackte Wand an seinem Rücken. Langsam wich er Schritt für Schritt die Wand entlang – seinen Gegner im Auge behaltend.
"Was soll ich jetzt tun? Wo soll ich hin?" dachte er hilflos.
"Bleiben Sie ruhig. Es wird nicht weh tun." säuselte der Pfleger.
"Das sagen Sie." antwortete Thomas. Angst schwang in seiner Stimme. Schweiß lief ihm in die Augen und er musste blinzeln. Als er die Augen wieder aufschlug sah er eine Spritze mit klarem Inhalt in der Hand des Pflegers. Gedanken rasten durch seinen Kopf. Es machte Klick. Ein kleiner Teil seines Gehirn übernahm die Kontrolle und lies den Manager Thomas Clark automatisch so reagieren, wie er es vor fünfzehn Jahren, in der Grundausbildung der US Army gelernt hatte. Mit zwei schnellen Schritten erreichte er die Bedrohung und packte ihren Arm. Er versuchte ihn nach unten zu drücken – es gelang ihm nicht. Ein Seitenhieb des Pflegers traf die Nieren und prügelte Thomas die Luft aus der Lunge. Sofort setzte der Pfleger nach, packte Thomas am Hals und drückte so fest zu wie er konnte. Ein unangenehmes Gefühl entstand in seinem Hals. Seine Lunge versuchte dem Druck zu wiederstehen und Luft einzuatmen, doch es geschah nichts. Sich windend schlug er um sich und traf den Kopf des Angreifers woraufhin dieser zurücktaumelte. Thomas trat ihm in den Magen und der Pfleger prallte gegen den Türrahmen – die Spritze noch fest in der Hand haltend. Tief einatmend blieb Thomas stehen und versuchte Herr der Lage zu werden. "Was jetzt? Ich muss hier raus!" entschied Thomas in Gedanken und sprintete auf die Tür zu. Der Pfleger stieß ihn zurück und setzte mit der Spritze nach. Thomas packte den Arm mit beiden Händen und spannte seine Muskeln. Anspannung zeigte sich in beiden Gesichtern. Das Gesicht des Pflegers verzog sich zu einer Grimasse. "Deine Frau war leichter zu töten." sagte er ruhig aber bestimmt. Thomas Kinnlade sagte herab. "Ihr Schweine habt meine Frau umgebracht!" schrie er in seiner Wut und hob einen Arm, die Hand zur Faust geballt. Der Pfleger hob schützend eine Hand vors Gesicht. Mit dem Aufschrei eines Barbaren schlug Thomas in Richtung Gurgel und traf. Blut quoll aus dem Mund des Pflegers und verbreitete sich auf den Fliesen. Langsam sackte der sterbende zu Boden und lies die Spritze fallen. Zwischen Blut, gurgeln und einem lauten Zischen krächzte er etwas. Zitternd kniete sich Thomas hin und ergriff die Spritze dann schaute er den Pfleger an. "Du... du wirst hier nie... nie lebend rauskommen." krächzte er langsam und leise. Thomas lachte. "Lebendiger als du, Arschloch!" mit diesen Worten packte Thomas die Spritze fester und rammte sie in die offene Wunde. Langsam presste er die Flüssigkeit in den Hals hinein. Die Augen des Pflegers brachen und sein Atem kam nur noch stoßweise. Dann regte sich nichts mehr. Thomas seufzte erleichtert. Seine Anspannung verflüchtigte sich etwas, aber noch war er in Gefahr. Er trat er auf den Flur, schaute sich um – keine Anzeichen das jemand was mitbekommen hatte. Er rannte auf die großen Doppeltüren des Eingangs zu als hinter ihm ein erstickter Schrei erklang. Sekunden später heulten Alarmsirenen durch das Gebäude. Er drehte sich im laufen um. Ein weiterer Mann im weißen Kittel stand vor dem Raum wo die Leiche des anderen lag und hielt den Finger noch auf dem Alarmknopf.
"Halt! Stehen bleiben!" rief die Person. Thomas rannte weiter. Als er an den Aufzügen vorbei kam glitten die Türen auseinander und Gearing trat mit drei weiteren Männern aus dem Aufzug. Ihre Blicke trafen sich. Der Moment schien sich ins unendliche zu dehnen Gearings Augen blitzten auf und Thomas wusste das er es getan hatte. Er hatte sein kleines Mädchen umgebracht. Die Versuchung war groß! Jetzt einfach umzudrehen und ihn umzubringen! Das Gesicht Gearings verzog sich zu einer dämonischen Fratze als die drei Männer an ihm vorbei rannten und hinter Thomas her. Wie vom Teufel gejagt hastete er durch eine der Doppeltüren – Glas splitterte, zerschnitt ihm Hände und Gesicht. Thomas sprang die Stufen hinunter auf den Parkplatz wo sein Audi noch stand. Hastig öffnete er die Fahrertür und glitt hinein. Heulend sprang der Motor an und er legte den Rückwärtsgang ein. Mit quietschenden Reifen schoss das Auto zurück und die Auffahrt hinunter. Blut lief ihm in die Augen. Keine Zeit es wegzuwischen! Durch einen roten Schleier blickend riss er das Steuer herum und der Wagen drehte sich um seine eigene Achse. Erster Gang! Wieder heulte der Motor und der Wagen beschleunigte und raste auf das weit entfernte Tor zu.

*

Gearing griff zum nächsten Telefon. Seine Mundwinkel zuckten amüsiert.
"Cybercorps Unlimited Haupttor." erklang die barsche Stimme des Wachmannes.
"Hier Gearing. Gleich kommt ein Audi mit hoher Geschwindigkeit auf das Tor zu. Halten Sie ihn um jeden Preis auf. Wenn nötig von der Schusswaffe gebrauch machen."
"Verstanden Doktor."

Damit verstummte die Leitung. Gearing trat nach draußen und schaute den Rücklichtern des Audis nach. "Fahr nur Junge. Wir kriegen dich schon." flüsterte er leise.
*
Der Wachmann trat aus seinem Häuschen und sah den Audi auf sich zu rasen. Aus dem Holster an seinem Bein zog er die 9mm und legte an. Sein Finger drückte den Abzug und die Kugel verließ mit einem Knall den Lauf. Thomas duckte sich als Glas um ihn herum splitterte.
"Hallte den Kurs!" rief er sich innerlich zu und widerstand der Verlockung das Auto herumzureißen. Er trat das Gaspedal weiter durch und der Wagen machte noch einen Ruck nach vorne. Wieder trafen Kugeln das Auto. Qualm stieg unter der Motorhaube auf. Der Wachmann hatte sein Magazin verschossen und versuchte sich mit einem Sprung zu retten. Zu spät! Thomas fuhr über ihn drüber. Das Auto holperte etwas und dann kam das Tor. Mit einem metallischen Krachen schoss der Audi durch das massive Tor und schlidderte auf die Straße. Thomas schaute nicht zurück. Tränen vermischten sich mit dem Blut in seinem Gesicht.
"Was soll ich jetzt tun? Wo soll ich hin?" dachte er. Nach Hause konnte er nicht.
"Zur Polizei? Nein. Die würden ihm nicht glauben." dann kam ihm die Erkenntnis das er zwei Menschen getötet hatte. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Thomas Clark Blut vergossen und das Gefühl es getan zu haben gab ihm eine Art der Befriedigung. Thomas jagte ohne jegliches Ziel die Strasse herunter.


Tag 53: Cybercorps Unlimited

Die drei Männer kamen zu Gearing.
"Jimmy ist tot. Er hat ihn umgebracht." sagte einer. Wut schwang in seiner Stimme.
"Hätte ich nicht von ihm erwartet." antwortete Gearing kühl. Dieser Mistkerl konnte ihnen alles verderben. Gearing wusste das Menschen unter Stress zu allem fähig waren. Er musste was unternehmen, aber was?
"Ruft bei der Polizei an und erstattet Anzeige gegen ihn. Sagt ihnen das er in unser Gebäude eingedrungen ist und zwei Mitarbeiter getötet hat. Das wird seine Glaubwürdigkeit untergraben."
"Wird gemacht Doktor."
Da dies geklärt war ging Gearing zurück zum Aufzug. Als die Türen sich geschlossen hatten bellte er "Labor". Die Kabine setzte sich in Bewegung und schoss in die Tiefe. Als die Digitale Anzeige bei U30 stehen blieb öffneten sich die Türen wieder. Ein lächeln umspielte sein Gesicht. Hier war er für sich allein und konnte nachdenken. Mandys Leiche lag noch auf dem Seziertisch. Die Klaffende Wunde die ihren Bauch zierte brauchte nicht geschlossen zu werden. In weniger als 10 Minuten würde ihr Körper den Flammen übergeben werden und nach einem kurzen Verbrennzyklus als Asche im Wind treiben. Was ihn viel mehr interessierte war der Glaskasten im hinteren Teil des Labors. Er selbst hatte ihn entwickelt und gebaut. Inmitten des grünen Wassers trieb an Elektroden angeschlossen das Bavon Mandy. Auf einem Monitor konnte er die Vitalwerte ablesen. Sie waren kräftig – was anderes hatte er nicht erwartet. Aus einem Schrank holte er eine kleine Ampulle heraus. Das Serum in ihrem inneren war an Affen und anderen Versuchstieren getestet worden und funktionierte wunderbar. Er zog eine kleine Spritze auf und langte in den Glaskasten. Die Wirbelsäule des Babys war noch nicht völlig ausgebildet – er musste vorsichtig sein. Ohne jeglichen Widerstand drang die Spritze in den Rücken ein und er drückte die Flüssigkeit hinein.
"Jeden Tag eine mein Kleiner und du wirst in zwei Monaten ausgewachsen sein." säuselte er friedvoll.
"John?" erklang eine älter Stimme hinter ihm. Gearing fuhr herum.
"Mussten sie mich so erschrecken?" klagte der Arzt.
"Entschuldigung. Wie ich höre gab es Probleme." sagte der alte Mann und trat aus einer dunklen Ecke.
"Nichts womit wir nicht fertig werden, Sir." antwortete Gearing und trat vom Glaskasten weg. Der Mann schaute hinein. Schwer stützte er sich auf seinen Gehstock ab und seufzte.
"Wann wird er fertig sein?" fragte der Mann und hustete.
"In fünf Monaten können wir mit der Ausbildung beginnen. Ich sehe positiv in die Zukunft, Sir." prophezeite Gearing
"Sie meinen in "ihre" Zukunft. Ich hoffe ihr Wundermittel funktioniert wirklich, denn ich werde es wohl nicht mehr erleben." gab er von sich. Sein Blick war trüb und die braunen Augen strahlten einen Kampf wieder. Einen Kampf gegen den Tod.
"Sir. Wir sind dabei das Todesgen auszuschalten. Danach ist ewiges Leben keine Floskel mehr." sagte Gearing und hielt dem Mann einen Bericht hin. Dieser blickte nicht mal herab sondern wischte ihn einfach zu Boden.
"Schwachsinn John! In zehn Jahre vielleicht! Nicht schnell genug um mich zu retten!" schrie der Mann und schüttelte sich kurz darauf unter einem Hustanfall. Gearing stützte ihn und führte ihn zu einem Stuhl. Schwer atmend ließ sich der Alte auf ihn nieder.
"Was ist mit diesem Clark?" fragte er nachdem er einigermaßen wieder Luft bekam.
"Der ist kein Problem. Wir werden ihn finden und ausschalten." Gearing mixte mehrere Flüssigkeiten zusammen und gab sie anschließend in das grüne Wasser.
"Das hoffe ich für Sie. Haben Sie schon einen Namen für das Projekt?" dabei deutete er auf den Glaskasten. In Gearing entstand Wut.
"Ich nenne ihn Nathan" sagte Gearing und unterdrückte seine Wut.
"Ihn?" erstaunt schaute der Mann Gearing an um kurz darauf zu lächeln.
"Ja ihn! Und das Projekt nenne ich "Ultima". Und jetzt lassen Sie mich arbeiten, Sir." drängte Gearing. Er konnte seinen Chef nicht leiden und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Doch beiden wussten das sie einander brauchten. Langsam und schwerfällig erhob sich der alte Mann und ging schlurfend zum Aufzug. Ohne sich noch mal umzudrehen vertiefte sich Gearing in einen Bericht.
"John?"
"Ja." sagte Gearing genervt und drehte den Kopf etwas zur Seite.
"Nathan ist ein schöner Name." gab der Alte noch von sich bevor die Aufzugtüren ganz geschlossen waren. Gearing versuchte sich zu konzentrieren doch es gelang ihm nicht. Immer wieder schaute er zu dem Baund dachte daran was die Zukunft bringen würde. Schon jetzt stand das Ausbildungsprogramm fest. Und die Proteine in der Flüssigkeit sollten seine Muskeln härter und besser machen. An die operativen Veränderungen die Folgen würden dachte er gar nicht. Im Moment war nur eins wichtig: Das Kind... Falsch! Sein Kind am Leben zu erhalten. Er griff zum Telefonhörer und rief die Bedienmannschaft für den Ofen. Dann ging er zu Mandys Leiche, bedeckte ihren nackten Körper mit einer Decke und schob sie zum Aufzug.


Tag 58 – Thomas

Die Bäume wiegten sich im Wind. Hier und da das quaken eines Frosches. Unrasiert und mit blutunterlaufenen Augen saß Thomas Clark auf der Veranda des Sommerhauses seines Vaters im Staate Maine. Neben seinem Stuhl stand eine halbvolle Flasche "Old Dickel No. 12" und seine rechte Hand hielt eine glimmende Zigarette. Nachdem er das Gelände von Cybercorps fluchtartig verlassen hatte musste er irgendwo hin. Da kam ihn diese Blockhütte ziemlich gelegen. Sein Vater hatte sie vor 30 Jahren mit eigenen Händen aufgebaut und Thomas musste gestehen das die vielen Sommer die er hier verbracht hatte sehr schön waren. Im Hintergrund neben dem Kamin dudelte der Fernseher vor sich hin. Die laufende Sendung wurde von einer Blitzmeldung unterbrochen die ihn aufblicken lies. Er stand ungelenkig auf und schwankte zum Fernseher. CNN brachte einen Bericht über ihn. Steif und korrekt gekleidet saß der Moderator hinter seinem Tisch und las von einem Zettel ab. In der oberen linken Ecke des Bildschirms wurde ein Foto von ihm eingeblendet und ein Schriftzug der unten lief gab Daten über sein Leben wieder. Trocken begann der Moderator zu berichten.
"Guten Tag meine Damen und Herren. Ich bin Harry Davis von CNN News. Vor fünf Tagen ereignete sich auf dem Komplex von Cybercorps Unlimited ein tragischer Vorfall. Der Manager Thomas D. Clark – angestellt bei einer Handelsfirma für Import/Export – drang in das Gebäude ein und verursachte ein Blutbad. Erst überfuhr er den Wachmann Nigel O`Connel und verschaffte sich mit brachialer Gewalt, indem er das Tor mit seinem Auto durchbrach, zutritt. Im Gebäude versuchte ihn der Pfleger Adam Grand aufzuhalten. Thomas Clark erschlug ihn gewaltig und hinterlies die Leiche blutend auf dem Boden. Lieber Zuschauer – aus rechtlichen und ethischen Gründen können wir ihnen leider keine Bilder vom Ort der Tat zeigen. Wir versuchten seine Frau zu erreichen um einige Fragen stellen zu können. Leider Gottes konnten wir sie noch nicht erreichen. Die Polizei ermittelt zur Zeit noch und wie man mir sagte haben diese Morde höchste Priorität. Als Gast begrüße ich jetzt Dr. John Gearing. Er ist Leiter der Forschungsabteilung von Cybercorps Unlimited." Davis erhob sich als Dr. Gearing vor die Kamera trat und gab ihm die Hand. Thomas ächzte.
"Das ist er!" brüllten seine Gedanken. Gespannt starrte er auf den Fernseher und nestelte eine weitere Zigarette aus der Schachtel. Beide setzten sich.
"Dr. Gearing. Wie können sie sich diese unglaubliche Tat erklären?" begann Davis und wartete auf die Antwort. Gearing räusperte sich und setzte eine geschäftliche Miene auf.
"Das kann ich nicht. Keiner kann das."
"Aber ein Mann dringt doch nicht einfach so in eine Firma ein und bringt Leute um." setzte er an. Gearing schüttelte energisch den Kopf.
"Harry. Wir wissen nicht was in den Köpfen der Leute vor geht die zu so was fähig sind. Ich habe an der Emory University in Georgia einige Jahre Psychologie studiert. Die Polizei war sogar so freundlich mir den Lebenslauf von Thomas Clark zu geben. Durch einige Gespräche mit Nachbarn und Arbeitskollegen konnte ich herausfinden das Mr. Clark oft unter Stress arbeiten musste. Termindruck und gelegentliche Geldprobleme taten ihr übriges und..." Davis unterbrach ihn.
"Sie meine die Ursache für dieses Blutbad liegt dort begründet?"
"Unterbrechen Sie mich bitte nicht! Aber, ja. Nach meiner Schlussfolgerung liegen die Ursachen dort. In den Zeitungen liest man so was öfter." "Wird es heilbar sein?" fragte Davis und schaute auf seinen Zettel.
"Falls wir Mr. Clark lebend zu fassen kriegen stehen die Chancen gut." antwortete Gearing und ein funkeln entstand in seinen Augen. Thomas merkte wie eine Gänsehaut seinen Nacken hoch kroch. Schnell schaltete er den Fernseher ab und trat nach draußen auf die Veranda. Er griff zu der Flasche die am Boden lag und nahm einen tiefen Schluck. "Hallo Junge." erklang es seitlich von ihm. Erschrocken fuhr er herum und die Flasche viel zu Boden und barst in tausend Stücke. Vor ihm stand ein älterer Mann. Er trug eine Jeans und ein rotes Holzfällerhemd. Sein weißes kurz geschnittenes Haar schimmerte leicht als die Sonne darauf schien.
"Ich habe es im Fernsehen gesehen und wusste ich konnte dich nur hier finden." sagte der Mann leise. Thomas ging auf ihn zu und fiel ihm in die Arme. Tränen rannen über sein Gesicht.
"Vater. Es ist so schrecklich" schluchzte er. Beruhigend tätschelte Marcus Clark seinem Sohn auf den Rücken.
"Komm. Wir gehen rein und dann erzählst du mir was wirklich passiert ist." schlug er vor und schaute seinem Sohn in die Augen.

Thomas nickte und rieb sich die Augen. Dann gingen beide ins Haus...



Teil 3

Tag 87 – Laboraktivität

Alarmsirenen heulten, unterstützt von gelben Warnlampen, im Labor. Gearing stürmte wutentbrannt aus dem Aufzug und weiter ins Labor. Ein Pfleger kam ihm entgegen. Gearing stieß ihn einfach beiseite und rannte in den hinteren Teil wo der Glaskasten stand. Dort sah er eine Frau in einem weißen Ärztekittel, die auf einen der zahlreichen Monitore schaute. Schlitternd kam er zum stehen und tippte wild auf eine Tastatur, die für die Einstellung der Medikamentenzufuhr da war. Er stieß hart die Luft aus, als die Sirenen und Lampen verstummten. Nach kurzen einatmen wirbelte er zu der Frau herum und gab ihr eine Ohrfeige das es nur so knallte. Erschrocken und verwirrt rieb sie die brennende Stelle. "Wer sind Sie?!" schrie er, und stieß sie von dem Glaskasten weg. Sie verlor den Halt und landete auf ihrem Hintern. In ihren Augen spiegelte sich Unglauben wieder. Er trat neben sie. "Wer sie sind will ich wissen!" schrie er schrill, packte sie an den Schultern und riss sie hoch. Der Pfleger, den Gearing zur Seite gestoßen hatte, trat dazwischen. "Beruhigen sie sich, Sir." sagte er besänftigend. Gearings Augen flammten auf vor Wut. "Beruhigen!? Sie hätte Nathan beinahe getötet!" schrie er immer noch. Der Pfleger schüttelte den Kopf. Die Frau schaute hinter ihm hervor und öffnete zitternd den Mund. "Es war nicht meine Absicht, ich..." begann sie, doch Gearing unterbrach sie wirsch mit einer Handbewegung. "Sie haben hier nichts zu suchen! Verschwinden sie! Sofort!" schrie Gearing hitzig und rückte auf die beiden zu. Der Pfleger blickte in die Augen des Doktors und hielt es für besser Abstand zu gewinnen. Sachte, aber schnell, schob er die Frau in Richtung Aufzug. Gearing blieb stehen und richtete seinen Blick sofort auf die Monitore. Die Frau war außer Reichweite und somit keine Gefahr mehr für Nathan. Die Wut wich der Besorgnis, als er auf die Vitalwerte schaute. Sie fluktuierte heftig und sprangen zu oft in den roten Bereich. Der Pfleger hatte die Frau schon zum Aufzug gebracht. "Was soll das?" flüsterte sie dem Pfleger zu. Der zuckte mit den Schultern. "Ich weis es nicht Dr. Mitchell. Wahrscheinlich weis er noch nichts von ihrer Beteiligung." antwortete der Pfleger und drücke den "Nach oben" Knopf. Bevor sie noch etwas erwidern konnte, schlossen sich die Aufzugstüren. Als er sich umdrehte stand Gearing plötzlich hinter ihm. "Wer war das?" fragte der Doktor mit eiskalter Stimme. Der Pfleger wich einen Schritt zurück. "Das war Dr. Diana Mitchell." erwiderte er stotternd und ging einen weiteren Schritt zurück. Gearing folgte ihm. "Was hat sie hier zu suchen?" Gearings Augen funkelte bedenklich. Der Pfleger schluckte mehrmals. Niemand bei Cybercorps wollte Gearing zum Feind haben. Und er hatte gerade Dr. Mitchell an Nathan herangelassen, ein Fehler der nicht mehr gut zu machen war. "Warum konnte sie nicht warten? Und warum hast du ihn nicht sofort verständigt?" dachte der Pfleger verzweifelt. Er hätte Gearing sofort informieren sollen, um dann alles in Ruhe zu besprechen. Gearings linker Arm schoss vor. Seine Hand leckte sich schwer auf die Schulter des Pflegers, und nagelte ihn fest. "Antworte!" schrie Gearing so laut das der Pfleger zusammenzuckte. Schweiß stand auf seiner Stirn, als er stotternd antworte. "Sie soll ihnen beim Projekt helfen. Mr. Donovan wollte es so." Gearings Kinnlade sackte herab. "Donovan?" sagte er leise. Der Pfleger nickte bestätigend. "Na schön. Gehen sie jetzt. Ich brauche meine Ruhe. Sagen sie dieser Mitchell, dass ich noch mit ihr reden werde." "Jawohl, Sir." so schnell er konnte verschwand der Pfleger im Aufzug. Gearing drehte sich um und ging wieder zu den Monitoren. Erleichtert atmete er aus. Die Vitalwerte waren wieder im grünen Bereich. Gearing trat näher an den Glaskasten heran und betrachtete Nathan. Er hob eine Hand und strich über das Glas. Nathan war in zwanzig Tagen gut und gerne 50cm gewachsen. Schon jetzt zeichneten sich die Muskeln in den kleinen Ärmchen deutlich ab. Er dachte kurz nach und entschloss sich dann Phase II einzuleiten. Vielleicht zu Früh, aber das wird sich dann herausstellen. Gearing ging zu einem Terminal und rief ein Programm auf. Neben den Vitalwerten erschien eine 3D Ansicht des Babys. Nachdem er einige Kommandocodes eingeben hatte, erlosch der Bildschirm. Ein einziger weißer Strich blinkte in der linken oberen Ecke des Bildschirms. "Jetzt wollen wir doch mal sehen, was du leisten kannst." flüsterte Gearing und schaute in das trübe grüne Wasser. Nach einigen Minuten des Wartens erklang ein Piepen, sofort darauf sank der Wasserspiegel im Glaskasten. Gearings Augen weiteten sich als die schwarzen Haare zum Vorschein kamen. Dann die Stirn und kurz danach die Augen. Sie waren noch geschlossen. Er griff zu einer Videokamera, die auf einem Stativ neben dem Glaskasten stand, und schaltete sie auf Aufnahme. Als das Gesicht ganz zum Vorschein gekommen war, erklang wieder ein Piepen und das Wasser hörte auf zu sinken. Gespannt beobachte Gearing das kleine Lebewesen. Die Augenlieder zuckten und öffneten sich langsam. Dann die Erwartete Reaktion: Es spuckte die Flüssigkeit aus, die in seiner Lunge enthalten war und begann wild mit den Armen zu rudern. Keuchen und ersticktes Krächzen ertönte, als Nathan versuchte die ungewohnte Luft einzuatmen. Gearing langte in den Glaskasten und streichelte Nathans Kopfs. Die Augen richteten sich auf Gearing. Gearing lächelte als die Streicheleinheiten ihre Wirkung zeigten. Das Keuchen und Krächzen erstarb, übrig blieb nur das ruhige Atmen eines Kleinkindes. Gearing löste vorsichtig die Elektroden von Nathans Körper und hob ihn aus dem Wasser. Etwas ungeschickt nahm Gearing ihn in den Arm. Eine Wolldecke wurde ihm gereicht, er drehte den Kopf. Neben ihm stand Doktor Mitchell. Gearing nahm sie nickend entgegen und ging zu einem Schreibtisch in der Nähe. "Er hat das schwerste überstanden." meinte Gearing und hüllte ihn in die Decke ein. Mitchell beobachtete nur und kam nicht näher. "Was haben sie da eigentlich versucht?" fragte er nebenbei. Seine Wut auf die Frau war immer noch nicht ganz verklungen. Als keine Antwort kam drehte er sich verwundert um. Mitchell schaute ihn etwas verlegen an. "Na?" erklang es fragend, als er Nathan wieder auf den Arm nahm. Nathan quiekte etwas unverständliches und Gearing streichelte ihm wieder durchs Haar und drückte ihn fester an sich und sprach leise auf Nathan ein. In diesem Moment war alles andere unwichtig. Er hatte sein Kind im Arm. Allen Strapazen waren vergessen. Seine Augen trübten sich etwas, als er an Mandy Clark dachte. Ein kleiner verbliebener Menschlicher Teil in ihm wünschte sich, dass sie ihren Sohn hätte sehen können. Nathan war zwar genetisch verändert worden, aber das alles so gut geklappt hatte war ihr zu verdanken. Sie war genetisch perfekt gewesen. Sie hätte es verdient gehabt. Aber das war Vergangenheit. Jetzt pulsierte das neuentstandene Leben in seinen Armen, und... "Ich habe aus versehen die falsche Medikation gewählt." sagte Mitchell plötzlich und riss Gearing aus seinen Gedanken. "Worin haben sie promoviert?" fragte er und schaute Nathan in die Augen. Erstaunt stellte er fest das sie nicht die Farben der Eltern hatten, sondern Violett waren. "Wird wohl an dem Mittel gelegen haben." dachte Gearing. Mitchell trat zu ihm und strich Nathan vorsichtig mit dem Handrücken über die Wange, was er sofort mit einem erfreuten quieken quittierte. "Meinen Doktor habe ich in Kinderpflege gemacht. Nebenbei habe ich noch Psychologie studiert. Darum hat mich Mr. Donovan auch eingestellt." antwortete Mitchell. Gearing nickte, trat zum Aufzug und brachte Nathan aus ihrer Reichweite. "Wo wollen sie den hin?" fragte sie erstaunt. "Ich werde jetzt erst mal meinen Sohn die Sonne zeigen. Das hat er sich verdient. Rufen sie Mr. Donovan an, er soll herkommen." Mit diesen Worten verschwand Gearing im Aufzug, und lies Doktor Mitchell im Labor alleine. Sie schaute noch einige Sekunden auf die geschlossenen Aufzugtüren, und griff dann zum Telefon.


Tag 95 – Donovan

Jack Donovan saß in seinem geräumigen, im Barock Stil gehaltenem, Büro und las einen Laborbericht. Sein kurzes weißes Haar zeichnete sich nur noch schütter auf seinem Kopf ab. Er hatte zwei Weltkriege miterlebt, mehr als manch anderer von sich behaupten konnte. Ein Hustanfall unterbrach sein lesen, und er griff zu einem Glas mit Wasser. Vor vier Jahren, hatte der Krebs von seiner Lunge Besitz ergriffen und forderte nun seinen Tribut. Die sonst hellen wachen Augen spiegelten den Todeskampf wieder. Er war früher ein Mann von stattlichen 80kg gewesen, jetzt brachte er es gerade noch auf 60kg. Das abgemagerte Gesicht verzerrte sich in einer Schmerzwoge. Er hatte sich gerade wieder beruhigt als das Telefon klingelte. Mit seiner, von Atritis gezeichneten linken Hand griff er zum Hörer. "Donovan." sprach er leise aber verständlich in den Hörer. Er musste etwas warten, da der Computer der Telefonzentrale das Gespräch noch nicht verschlüsselt hatte. Nach 15 Sekunden meldete sich die andere Person. "Guten Morgen, Mr. Donovan. General Carter hier." erklang es autoritär. General Duncan W. Carter war der Berater des Präsidenten in Militärfragen und verkündete seine Entscheidungen meist vom Schreibtisch aus. Das der Schreibtisch im Ostflügel des Weißen Hauses stand störte ihn nicht. So saß er an der Machtquelle, und konnte schalten und wallten wie er wollte – natürlich im Rahmen der Legalität. "Guten Morgen, General. Wie läuft es bei ihnen?" fragte Donovan und hustete leicht. "Ich kann nicht klagen. Heute Morgen habe ich den Testbericht über die neuen Membrananzüge bekommen. Sieht sehr gut aus. Und bei ihnen?" antwortete Carter. Als Berater des Präsidenten hatte er Zugang zu allen Projekten die das Militär betrafen. Und die US Army testete letzte Woche in Maryland die neuen Anzüge aus Membran. Ein spezielles Gewebe, was härter war als Kevlar, dafür aber um die Hälfte leichter. "John hat Phase II eingeleitet, alles lief wie geplant." gab Donovan zurück. Ein Grunzen am anderem Ende der Leitung, ließ ihn lächeln. "Gearing ist ein wahnwitziger Eunuch. Mir stellt sich immer noch die Frage, warum der Präsident ihr Projekt überhaupt unterstützt." raunte Carter, und stellte fest das Ärger in ihm empor stieg. Berechtigterweise wie er fand. Dadurch das der Präsident das Projekt unterstützte, fehlten ihm – Carter – Gelder, die er für die Army brauchte. "Er sieht einen nutzen darin, General." antwortete Donovan und las den Bericht weiter. "Was für einen Nutzen soll es haben, ein Kind zu manipulieren. Und es dann auch noch militärisch zu schulen?" sagte Carter etwas lauter, als er wollte. Donovan lachte. "General. Haben sie jemals einen schlechten Science-Fiction Roman gelesen? Dort passiert das zu genüge." erwiderte Donovan. Wieder ein Grunzen. "Wer solche Geschichten schreibt, muss schon ein schlechter Autor sein." Donovan nickte, obwohl Carter das nicht sehen konnte. "Aber in dieser Geschichte, bin ich noch der Autor." dachte Donovan und setzte nun an einem Punkt an, der schon vor langer Zeit ausgearbeitet wurde. "General. Ich mache ihnen ein Angebot. Kommen sie nächsten Monat vorbei, und schauen sie sich Nathan an." schlug Donovan vor und schaute aus dem Fenster. "Nathan?" kam es fragend. "Gearing nennt das Kind so." half er nach. Diesmal lachte Carter. "Dieser Eunuch. Aber ja, ich werde da sein. Und ich hoffe, mir gefällt was ich sehe." Donovan erkannte die Drohung in dieser Aussage. Falls Carter nicht das gewünschte sah, würde er dem Präsidenten raten, dass Projekt fallen zu lassen. Die Gelder waren nicht so wichtig. Cybercorps machte im Jahr mehr Umsatz, als mancher Kleinstaat in der dritten Welt. Was ihm mehr Sorgen machte, war die Tatsache das Gen-Forschung immer noch ein Thema der Ethik war. Dadurch das der Präsident Cybercorps unterstützte, war man gegen rechtliche Schritte abgesichert. "Sie werden nicht enttäuscht sein, General. Bis nächsten Monat." sagte Donovan und legte auf. Nervös trommelte er mit den Fingerspitze auf der Tischplatte. "Was soll ich nur tun? Nathan würde in einem Monat sicherlich genug können, um den General zu beeindrucken. Aber was wenn nicht? Ich muss mit John darüber reden." dachte er und erhob sich langsam. Zielsicher griff er nach seinem Gehstock. Umkrampfte mit einer Hand den silbernen Knauf, der die Form eines Wolfkopfes hatte, und schlurfte mit langsamen Schritten zum Aufzug.


Tag 106 – Kommunikation

Thomas Clark saß in der Blockhütte seines Vaters und trank einen Kaffee. Marcus Clark trat an den, aus Eiche bestehenden, Tisch und stützte sich schwer auf. Thomas schaute nicht auf. Sein Blick war auf einen Punkt, in seiner Erinnerung gerichtet. Er dachte an die schönen Tage mit Mandy. Wie er seinen Engel kennen gelernt hatte. Die schönen Wochen ihrer Hochzeitsreise in Europa. Seine Augen wurden feucht, als seine Erinnerung zu den letzten Tagen kam. Man hatte seinen Engel von ihm fortgerissen, und das nur weil er einen Vertrag unterschrieben hatte. Er war Schuld...
"Thomas?" erklang aus weiter Ferne die Stimme seines Vaters, und holte ihn in die Wirklichkeit zurück. Schwerfällig schaute er auf. Die Sorgen waren seinem Vater immer noch im Gesicht anzusehen. Thomas schaute wieder auf einen imaginären Punkt in seinem Bewusstsein. "Thomas, hörst du mich?" fragte Marcus Clark, und legte seinen Sohn eine Hand auf die Schulter. Thomas nickte nur und murmelte etwas. "Ich fahre jetzt eben einige Sachen holen, okay?" sagte sein Vater und ging zum Kleiderhacken, wo eine alte schwarze Lederjacke hing. Als Marcus sich wieder umdrehte, schaute sein Sohn in an. "Dad?" kam es kleinlaut aus Thomas Mund. Marcus lächelte. "Ja mein Sohn." sagte er. "Komm bitte schnell wieder, ja?" ein schluchzen entkam aus Thomas Mund. Sein Vater nickte nur und ging hinaus, zu seinem Kleinlaster. Thomas hörte wie der Motor ansprang. Als das Geräusch des fahrenden Autos sich entfernte, trank er noch einen Schluck Kaffee und sprang dann vom Stuhl auf. Sein Körper sprühte nur so vor Tatendrang. Ohne ein Anzeichen des Zögerns, griff er zum Telefonhörer und wählte die Nummer der Auskunft. "Auskunft. Was kann ich für sie tun?" erklang eine freundlich klingende weibliche Stimme. "Guten Tag. Clark mein Name. Ich würde gerne mit Dr. John Gearing bei Cybercorps Unlimited sprechen. Könnten sie mich verbinden?" sagte er so normal wie nur möglich. "Einen Moment, bitte." kurz darauf wurde er in eine Warteschleife mit irgendeinem Song, den er nicht kannte, verfrachtet. Gleich würde er mit dem Mörder seiner Frau sprechen. Gleich... gleich...
"Dr. Gearing. Cybercorps Unlimited. Guten Tag." erklang Gearings Stimme am Telefon. Thomas Wut stieg ins unermessliche, als er die kalte trockene Stimme hörte. Er musste sich beruhigen, ansonsten hatte es keinen Zweck. "Hallo?" fragte die Stimme des Mörders. "Hallo." antwortete Thomas. Schweigen am anderen Ende des Hörers. "Dr. Gearing, ich bin..." sagte Thomas und wurde prompt unterbrochen. "Ich weiß wer sie sind, Mr. Clark." sagte Gearing, ohne seine Überraschung zu verbergen. "Warum rufen sie an?" fragte er dann. Clark ballte seine freie Hand zu einer Faust. "Das wissen sie genauso gut wie ich." erwiderte Thomas zornig. Kurzes Überlegen am anderen Ende. "Wegen ihrer Frau." stellte Gearing trocken fest. "Tja, dass lässt sich nicht mehr ändern Thomas. Aber sie können froh sein, dass sie es überstanden hat. Ihnen bleibt ein weniger schmerloses Ende vorbehalten." fuhr der Doktor fort und leichte Amüsiertheit klang in seiner Stimme. "Sie Schwein!" schrie Thomas in den Hörer. Adrenalin schoss durch seinen Körper, und er musste sich zusammenreißen. "Wollen sie mal ihren Sohn hören?" fragte Gearing. Kurz darauf war das quieken und quietschen eines Babys zu hören. Tränen rannen über Thomas Wange und er schluchzte kaum hörbar. "Er heißt Nathan, Thomas. Und sieht seiner Mutter sehr ähnlich." half Gearing und lachte leise. Thomas Clark stampfte mit dem Fuß auf den Boden. "Sie werden dafür bezahlen Gearing. Ich schwöre ihnen, bevor die Sache ausgestanden ist, werde ich sie mit meinen eigenen Händen umbringen." schrie er und lies seiner aufgestauten Wut freien lauf. Als Antwort kam höhnisches Lachen. "Ich wünsche ihnen viel Glück, Thomas. Sie werden es brauchen." sagte Gearing lässig. Eine Hand erschien in Thomas Blickfeld und drückte auf eine Taste des Telefons. Sofort war das Gespräch unterbrochen. Erschrocken hob er den Blick. Neben ihm stand sein Vater. In den klaren Augen spiegelte sich Unglauben und Wut, als er den Hörer nahm und auf das Telefon warf. Thomas senkte den Blick, und verfluchte sich selbst, für seine Überreaktion.
"Bist du verrückt geworden, Thomas?" schrie sein Vater und warf die Arme hoch.
"Vater, ich..." begann er, doch Marcus Clark hörte nicht zu. Fluchend und seinen Sohn verwünschend ging er nach draußen und steckte sich eine Zigarette an. Nach einem kurzen Moment des Wartens, folgte Thomas seinen Vater nach draußen ...

- Ende -


© 2002 Daniel Lohmeyer
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Kuse (Gast) – BeitragVerfasst am: 11.01.2007, 15:19 –
Leider ist mir schon nach 2 Absätzen die Lust vergangen, weiterzulesen. Die abgehackten Sätze sind hier hoffentlich als Stilmittel eingesetzt, denn dann würde ich mich weiter durch den text quälen.
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